Therapie-Optionen bei Helicobacter-Besiedlung

Der Nachweis des Bakteriums Helicobacter pylori (kurz H.p.) in der Magenschleimhaut beweist deren Besiedelung, aber noch keine Erkrankung. Tatsächlich ist es aber so, dass in den meisten Fällen doch eine chronische Abwehrreaktion des Immunsystems einsetzt, so dass daraus eine chronische Entzündung resultiert. Eine chronische Magenschleimhautentzündung kann allerdings auch durch viele andere, oft nicht näher definierbare Faktoren hervor gerufen werden.
Die durch Helicobacter p. - Besiedlung ausgelöste Magenschleimhautentzündung (Gastritis) kann über eine lange Laufzeit von Jahren bis Jahrzehnten Veränderungen auslösen, die: 1) zu Magen- (Ulcus ventriculi) und Zwölffingerdarm- (Ulcus duodeni) Geschwüren führen können, und 2) statistisch betrachtet das Lebenszeit-Risiko für die Entstehung eines Magenkrebses (M-Carcinoms) erhöhen können.

Die sichere und endgültige Beseitigung (Eradikation) des Bakteriums aus der Magenschleimhaut ist leider nach wie vor ein aufwendiges Unternehmen, da es keine einfache medikamentöse Therapie gibt (also keine Pillen für drei Tage), die das Bakterium sicher ausrottet. Manchmal kann es passieren, dass die Besiedlung, genauer, die Bakterienzahl, zwar sehr stark dezimiert wird, aber einige übrig bleiben. Diese vermehren sich dann mit der Zeit erneut, so dass sich der alte Zustand wieder einstellt. Wird mit einem speziellen Test der Behandlungserfolg zu früh kontrolliert, kann es sein, dass man tatsächlich die noch geringe Zahl der Übriggebliebenen nicht erfassen kann, und so von einem falsch - erfolgreichen Behandlungserfolg ausgeht.
Die Therapie gegen dieses Bakterium wird immer mehr zur eigenständigen Wissenschaft, da es keinen einfachen 100 %- Erfolg gibt. Das liegt daran, dass das Bakteirum sich selbst gegen Angriffe im Magenschleim verstecken und schützen kann. Es liegt weiterhin daran, dass generell alle Bakterien die Eigenschaft besitzen, dass sie gegen Antibiotika resistent werden können, dass also diese wichtigen Substanzen teilweise dann nicht mehr wirksam sind.

Deshalb gibt es heute zwei Standardschemata zur Therapie (first line), die dann beim ersten Versagen für die zweite Therapie gegeneinander getauscht werden und längere Zeit angewendet werden sollen.
Versagen diese Strategien, gibt es für die weiteren Versuche (second line) noch aufwendigere und auch Nebenwirkungs-reichere Reserveschemata.

Hier liste ich die Empfehlungen auf, die momentan aktuell sind (Sommer 2007).

Standard, "french triple" (1. Präferenz)

  

Standard, "italian triple" (2. Präferenz)

Protonenpumpenblocker (PPI), 2 x täglich
Amoxicillin 1000 mg, 2 x täglich
Clarythromycin 500 mg, 2 x täglich
Für 7 Tag

  

Protonenpumpenblocker (PPI) 2 x täglich
Metronidazol 400 mg, 2 x täglich
Clarithromycin 250 mg, 2 x täglich
Für 7 Tage

Bei Versagen:
Wechsel auf italian triple für 14 Tage

Bei Versagen:
Wechsel auf french triple für 14 Tage

Reserveschema: duale Hochdosistherapie

Reserveschema: Levofloxacin-basiert, 3-fach

Protonenpumpenblocker (PPI), 3x doppelte
Standarddosis täglich
Amoxicillin, 3 x 1000 mg täglich
Für 14 Tage

Protonenpumpenblocker (PPI), 2 x täglich
Amoxicillin 1000 mg, 2 x täglich
Levofloxacin 500 mg, 2 x täglich
Für 10 Tage

Reserveschema: Rifabutin-basiert, 3-fach

Reserveschema: Quadrupeltherapie

Protonenpumpenblocker (PPI), 2 x täglich
Amoxicillin 1000 mg, 2 x täglich
Rifabutin 150 mg, 2 x täglich
Für 14 Tage

Protonenpumpenblocker (PPI) 2 x täglich
Metronidazol 400 mg, 3 x täglich
Wismutsubcitrat 120 mg, 4 x täglich
Tetracyclin 500 mg, 4 x täglich
Für 7 bis 14 Tage

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