Gastritis, Helicobacter pylori

Gastritis, Magenschleimhautentzündung, bedeutet zunächst im Arzt-Patienten-Dialog oft salopp "Oberbauchschmerzen". Eigentlich hat diese Erkrankung oft aber gar nichts mit Beschwerden zu tun und wird fälschlicherweise benutzt. Korrekterweise bezeichnet sie eine entzündliche Veränderung der Magen-Schleimhaut, die nur unter dem Mikroskop sicher nachweisbar ist. In vielen Fällen ist diese Entzündung chronisch und mit dem Vorhandensein eines speziellen Bakteriums im Magen assoziert.

Gastritis ist ein vereinfachter Begriff für vielerlei OB-Beschwerden. Dahinter verbergen sich aber eine Vielzahl unterschiedlicher Störungen und Erkrankungen, die sowohl Speiseröhre Magen und Zwölffingerdarm betreffen können. Genau genommen versteht man darunter eine akute oder chronische Entzündung der Magenschleimhaut, die als Folge vieler Reize entstehen kann (z.B. Virusinfekt, Gallerückfluss aus dem Darm, Medikamente, Alkohol, etc.). Ein wesentlicher und zu vielerlei Krankheitsveränderung disponierender Faktor ist die Besiedlung der Schleimhaut des Magens mit einem speziellen, dort lebensfähigen Bakterium.

Dieses Bakterium heißt Helicobacter pylori. Es hat eine leicht gebogene Form, ähnlich einer Helix. Daher kommt auch der Name Helicobacter.

Die meisten Menschen fangen sich dieses Bakterium ein, bevor sie 5 oder 6 Jahre alt sind. Das Problem ist, dass der menschliche Magen und sein Immunsystem nicht in der Lage ist, den Keim aus eigener Kraft wieder los zu werden. Als Folge davon kann Helicobacter den gesamten Magen für Jahrzehnte oder lebenslang besiedeln.

Der einzige Ort an dem man ihn finden kann, ist der menschliche Magen und der einiger Affenarten. Das Bakterium begleitet die menschliche Geschichte schon sehr lange, man konnte es sogar in Mumien in den Anden nachweisen. Verwandte Arten kolonisieren den Magen anderer Säugetiere.

Bei den meisten Menschen verursacht dieser Keim eine Gastritis, eine Irritation der Schleimhaut (Mukosa), ohne dass daraus Schmerzen oder andere Symptome resultieren.

Einige Menschen mit dieser Infektion entwickeln ein Magen- oder Zwölffingerdarm- (Duodenal-) geschwür (Das Duodenum ist der Teil direkt nach dem Magen, bevor der reguläre Dünndarm anfängt). Eine sehr kleine Minorität (weniger als 1 %) der Infizierten entwickelt ein Magen-Carcinom (Magenkrebs).

Helicobacter verursacht nicht: Refluxkrankheit, Ösophagitis (Speiseröhrenentzündung), Crohn-Krankheit, Zoeliakie, entzündliche Darmerkrankungen, Darmkrebs, oder irgend etwas anderes im Darm.

Können Personen im engen Umfeld und der Familie angesteckt werden ?: Wahrscheinlich gelingt eine Weitergabe nicht an andere Erwachsene. Wir sind nicht ganz sicher wie es übertragen wird. Aber niemand war bis jetzt in der Lage eine Übertragung zwischen Ehepaar-Partnern zu beweisen. Die Weitergabe geschieht wahrscheinlich schon innerhalb der Familie, höchstwahrscheinlich zwischen Kindern, oder von der Mutter auf ihre Kinder.

Wie sieht nun die Behandlung aus ?: Im allgemeinen werden 2 Antibiotika verordnet, zusammen mit einer Substanz, die die Magensäure neutralisiert. Genauere Ausführungen würden hier den Rahmen sprengen.

Warum benötigt man so viele verschiedene Medikamente ?: Das Bakterium produziert eine Substanz, das die Magensäure in seiner nächsten Umgebung, um sich herum, neutralisiert. Ein ganz raffinierter Trick. Da die Bakterien nun innerhalb der Schleimschicht auf der Schleimhaut gut geschützt sind, kann man sie ganz schlecht los werden. Man benötigt zwei verschiedene Antibiotika, und da die meisten Antibiotika im saueren Milieu nicht wirken, benötigt man noch eine weitere Medizin, um die Magensäure zu neutralisieren. Auf diese Weise können die Antibiotika sowohl von aussen (also vom Mageninneren an der Schleimhaut), als auch von innen her, wenn sie mit dem Blutstrom in den Magen zurück kommen, wirken. 

Wenn die Behandlung erfolgreich war, kann dann die Infektion zurück kehren ?: Wahrscheinlich nicht. Die re-Infektionsraten sind sehr, sehr niedrig. Manche Menschen glauben schon, sie hätten den Keim erneut erworben, aber meistens hat dann die Therapie auf den ersten Anlauf nicht richtig gegriffen, eine komplette Entfernung aller vermehrungsfähigen Keime ("Eradikation") fand nicht statt. Da es, wie beschrieben, sehr schwierig ist, das Bakterium los zu werden, kann es auch sein, dass die erste Runde Antibiotikatherapie einfach nicht ausreichend gut gewirkt hat.

Die Effektivität des eingesetzten Therapie-Regimes schwankt zwischen 80 und 90 %, insb. ist dies auch abhängig von der exakten Einnahme über eine Woche. Leider sind einige der Bakterienstämme bereits schon resistent gegen die eingesetzten Antibiotika, das hängt auch vom Herkunftsland der Patienten ab. Dann muss man im zweiten Anlauf auch die Zusammensetzung der verwendeten Medikamente ändern. Eine Therapiekontrolle ist deshalb sicher sinnvoll. Hierfür existiert ein spezieller Atemtest (C 13- Atemtest), oder auch ein Stuhl-Test, der nur gering störanfällig ist, aber auch erst 6- 8 Wochen nach abgeschlossener Therapie durchgeführt werden sollte. Falls die Keimbesiedlung eben nicht komplett beseitigt wurde, sondern nur eine deutliche Verminderung gelang, benötigt die erneute Besiedelungszunahme einige Zeit. Erst dann kann auch sicher im Test beurteilt werden, ob der Erfolg wirklich eingetreten ist.

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