Informationen zu Laktose-Intoleranz

Einleitung

In Deutschland leiden circa 10 Millionen Menschen an einer Milchzucker- Unverträglich-keit. Milch und Milchprodukte, insbesondere die fettarmen Varianten, sollten normalerweise im Rahmen einer jeden gesundheitsförderlichen Ernährungsweise nicht fehlen. Das in Milch und Milchprodukten enthaltene Eiweiß ist von einer besonders hohen biologischen Wertigkeit und damit vom Körper optimal verwertbar. Außerdem liefern diese Nahrungsmittel reichlich wichtiges Calcium, das unser Körper für den Aufbau von Knochen und Zähnen sowie für die Blutgerinnung, Muskelkontraktion und Erregungsweiterleitung benötigt.
Für viele Menschen sind jedoch Milch, Quark, Joghurt und Käse Auslöser für eine Reihe von Beschwerden wie Bauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit und Durchfälle. Die Ursache liegt in einer Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker (Laktose), der bei den Betroffenen aufgrund eines Mangels an dem Enzym Laktase zu Beschwerden führt. Sie leiden an einer Milchzucker-Unverträglichkeit (Laktoseintoleranz). Der Enzymmangel kann viele Ursachen haben und ist nicht heilbar. Man schätzt, dass weltweit mehr als 50 Prozent der Bevölkerung unter einer mehr oder weniger ausgeprägten Milchzucker-Unverträglichkeit leiden. Wer unter unspezifischen Magen-Darm-Beschwerden leidet, sollte auf jeden Fall auch eine Milchzucker-Unverträglichkeit in Betracht ziehen.
Heutzutage gibt es moderne Diagnoseverfahren, die das Vorliegen einer Milchzucker-Unverträglichkeit schnell und sicher feststellen können. Stellt sich ein positiver Befund her-aus, müssen Betroffene individuell herausfinden, welche Mengen an Milchzucker sie vertra-gen und daraufhin entsprechend ihre Ernährungsgewohnheiten anpassen.
Dabei reicht es jedoch nicht allein aus, den Verzehr von Milch und Milchprodukten zu meiden beziehungsweise zu reduzieren, da auch viele industriell hergestellte Produkte Laktose als technologischen Hilfsstoff enthalten. Hilfreich können hier Produkte sein, die das milchzu-ckerspaltende Enzym Laktase enthalten und so die natürliche Verdauung von milchzuckerhal-tigen Lebensmitteln unterstützen.

Häufigkeit

Die Milchzucker-Unverträglichkeit ist wahrscheinlich die weltweit am weitesten verbrei-tete erbliche Veranlagung und die häufigste Ursache für Verdauungsbeschwerden. Sie tritt nicht geschlechtsspezifisch auf, Männer und Frauen sind also gleichermaßen betroffen. Aller-dings lassen sich Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen der Welt fest-stellen. Das Auftreten der Milchzucker-Unverträglichkeit in Afrika, Asien und Südamerika ist besonders hoch (50 bis 100 Prozent).
Bei Personen in Nordamerika und Nordeuropa liegt die Häufigkeit „nur“ bei 5 bis 15 Pro-zent. In Deutschland leiden circa 10 Millionen Menschen an einer Milchzucker-Unverträglichkeit. Dabei ist das Fehlen des Enzyms Laktase keineswegs ein Defekt, sondern eher der Normalzustand. Die Kombination aus Dunkelhäutigkeit und Laktasemangel ist im Vergleich zu Hellhäutigkeit und Anwesenheit von Laktase in der deutlichen Überzahl.

Was ist Laktose ?

Laktose (Milchzucker) ist chemisch gesehen ein Kohlehydrat (Zuckermolekül). Es besteht aus zwei einfachen Zuckern (Monosacchariden), Glukose und Galaktose, zusammen.
Die Besonderheit von Milchzucker besteht darin, dass er, im Vergleich zu anderen Zucker-arten, nur in der Milch von Säugetieren vorkommt. Die Milchzuckerkonzentration in der Milch ist von der jeweiligen Spezies abhängig.
Die Verwendung von Milchzucker in der Lebensmittelindustrie ist für Patienten mit einer Milchzucker-Unverträglichkeit besonders problematisch, da er in Produkten enthalten sein kann, wo man es nicht vermuten würde.

Chemische und technologische Eigenschaften von Milchzucker:

Milchzucker besitzt ein hohes Wasserbindungsvermögen, wodurch er sich sehr gut als Bindemittel für Lebensmittel und Arzneimittel eignet. Er bewirkt so eine höhere Festigkeit (zum Beispiel in Joghurts) beziehungsweise ein höheres Volumen bei nahezu gleicher Ka-lorienmenge des Lebensmittels (fettreduzierte Produkte).

Milchzucker kann mit Eiweißen reagieren. Dies ist ein erwünschter Prozess in der Le-bensmittelherstellung, da infolge dieser Reaktion geschmackgebende Stoffe gebildet werden und Bräunungseffekte auftreten (Backwaren).

Milchzucker wird als Trägerstoff für Aromen, Gewürze, Geschmacksverstärker, Süßstoff-tabletten und Zahnpasta verwendet.

Da auch Medikamente Milchzucker enthalten können, lassen Sie sich in jedem Fall von Ihrem Apotheker über die genaue Zusammensetzung informieren

Definition und Ursachen

Von einer Milchzucker-Unverträglichkeit sprechen Ernährungsmediziner, wenn der Ver-zehr von Milch und Milchprodukten Beschwerden auslöst. Hinter der Erkrankung verbirgt sich eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer Lebensmittel-Allergie, denn sie löst keine Immunreaktion im Körper aus. Doch ähnlich wie bei einer Aller-gie kann man die auftretenden Beschwerden am besten vermeiden, wenn man die auslösen-de Substanz – in dem Fall den Milchzucker – meidet.

Die Milchzucker-Unverträglichkeit ist keine Allergie!

Die Ursache für die Beschwerden liegt in einem Laktasemangel. Das Enzym Laktase ist für die Spaltung des Milchzuckers, der Laktose, im Dünndarm verantwortlich. Nur nach Spaltung durch Laktase können die Milchzuckerbestandteile verwertet werden. Bei einem Laktase-mangel wird kein Enzym oder nur ungenügende Mengen gebildet. Infolgedessen kann der Milchzucker nicht oder nur teilweise verdaut werden.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Formen der Milchzucker-Unverträglichkeit:

1. Primärer Laktasemangel
Der primäre Laktasemangel ist die häufigste Form der Milchzucker-Unverträglichkeit und ist erblich bedingt. Er tritt meist erst im Erwachsenenalter auf. Die Abnahme der Laktaseaktivi-tät mit zunehmendem Alter ist ein ganz normaler physiologischer Prozess. Senioren vertra-gen daher generell Milch und Milchprodukte schlechter als Junge.
Eine ausgesprochen seltene Form des primären Laktasemangels geht mit einem kompletten Laktasemangel unmittelbar nach der Geburt einher. Die Säuglinge leiden unter schweren wässrigen Durchfällen, Austrocknung und Unterernährung. Hier muss eine strikt milchzucker-freie Diät eingehalten werden, da auch kleinste Mengen Milchzucker schwerwiegende Ent-wicklungsschäden für das Neugeborene nach sich ziehen können.

2. Sekundärer Laktasemangel
Der erworbene Laktasemangel ist nicht genetisch bedingt, sondern entsteht infolge bestimm-ter Erkrankungen. Der Enzymmangel kann zum Beispiel durch Dünndarmerkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn oder bakterielle Infektionen auftreten beziehungsweise durch Magen-Darm-Operationen oder nach Antibiotika-Einnahme bedingt sein.
Wurde die Grundkrankheit erfolgreich behandelt, kann sich die Milchzucker-Unverträglichkeit wieder zurückbilden.

Symptome

Beschwerden treten meist sofort oder einige Stunden nach dem Verzehr von Milch und Milchprodukten auf. Aufgrund des Laktasemangels wird der Milchzucker nicht in seine Be-standteile Traubenzucker (Glukose) und Schleimzucker (Galaktose) gespalten und gelangt schließlich unverdaut in den Dickdarm, wo er den Darmbakterien als Nahrungssubstrat dient.
Die bei der Fermentation entstehenden Gase und kurzkettigen Fettsäuren sowie der Wassereinstrom in den Dickdarm, der durch den Milchzucker hervorgerufen wird, lösen die ver-schiedenartigen Beschwerden aus.

Typische Beschwerden einer Milchzucker-Unverträglichkeit sind:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfälle
  • Blähungen

Daneben gibt es auch eine Reihe atypischer Beschwerden, deren Stärke und Auftreten individuell unterschiedlich ist. Dazu gehören beispielsweise Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und Hautprobleme.

Wenn Sie unter den genannten typischen Verdauungsbeschwerden leiden, sollten Sie sich hinsichtlich einer Milchzucker-Unverträglichkeit ärztlich untersuchen lassen.

Diagnosemethoden

Es gibt eine Reihe verschiedener Tests, mit deren Hilfe sich feststellen lässt, ob man unter einer Milchzucker-Unverträglichkeit leidet:

H2-Atemtest

Der H2-Atemtest gehört mit zu den einfachsten und sichersten Methoden, eine Milchzucker-Unverträglichkeit zu diagnostizieren. Der Patient trinkt eine Milchzuckerlösung, woraufhin der Wasserstoffgehalt in der Atemluft gemessen wird. Wenn der Milchzucker nicht durch das En-zym Laktase gespalten wurde, wird er durch die Darmbakterien unter anderem zu dem Gas Wasserstoff (H2) umgesetzt, das dann vermehrt über die Atemluft abgegeben wird. Je weni-ger ein Patient Milchzucker verträgt, umso größer ist auch der Wasserstoffgehalt in der Atemluft.

Laktose-Toleranztest

Der Laktose-Toleranztest wird manchmal mit dem H2-Atemtest kombiniert. Nachdem der Patient eine Milchzuckerlösung getrunken hat, werden Blutproben entnommen und hinsichlich einer Blutzuckersteigerung untersucht. Normalerweise erfolgt nach der Aufnahme von Milch-zucker die enzymatische Freisetzung von Glukose, die dann über die Darmwand in die Blut-bahn gelangt, wo sie nachgewiesen werden kann.
Fehlt das Enzym Laktase, gelangt ein entsprechend geringerer Teil an Glukose in das Blut. Liegt die Blut-Glukosekonzentration unter 20 Milligramm pro Deziliter, werten Ernährungs-mediziner dies als Hinweis für eine Milchzucker-Unverträglichkeit.

Gentest

Der Gentest ist noch ein relativ neues Diagnose-Verfahren. Er gibt Aufschluss über die gene-tische Veranlagung für eine Milchzucker-Unverträglichkeit. Diese Methode ist zur Zeit noch kein Standardverfahren, da sie im Vergleich zu anderen sehr zeit- und kostenintensiv ist.

Ernährungsempfehlungen

Da Milch und Milchprodukte bei einer Milchzuckerunverträglichkeit die bereits beschrie-benen Beschwerden auslösen, konzentrieren sich die Ernährungsempfehlungen in erster Linie auf die Meidung beziehungsweise Reduzierung von Milch, Milchprodukten und Lebensmit-teln, die Milchzucker enthalten. Wie viel Mengen Milchzucker jeder Patient verträgt, hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab und muss individuell ausgetestet werden. Nur in selte-nen Fällen treten Beschwerden bereits bei sehr geringen Mengen Milchzucker auf (unter 3 Gramm).
In der Regel werden Lebensmittel mit geringem Milchzuckergehalt, wenn sie in kleinen Men-gen verzehrt werden, gut vertragen. Beschwerden treten meist erst oberhalb von 10 Gramm Milchzucker auf. Um die tolerierbare Menge an Milchzucker herauszufinden, bietet es sich an, über einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen eine milchzuckerfreie Kost einzuhalten.

Beachten Sie, dass neben Milch und Milchprodukten auch industriell gefertigte Lebensmittel und auch Medikamente Milchzucker enthalten können!

Sobald Beschwerdefreiheit vorliegt, können verschiedene Milchprodukte, zunächst in kleinen Mengen, zu sich genommen werden. Zu Beginn eignen sich am besten fermentierte Milchprodukte, also zum Beispiel Joghurt, Dickmilch, Kefir oder Hartkäsesorten.
Diese zeichnen sich durch eine allgemein gute Verträglichkeit aus. Langsam können dann weitere Produkte getestet und die verzehrten Mengen gesteigert werden.

Führen Sie ein Ernährungstagebuch, in dem Sie jedes verzehrte Lebensmittel sowie eventuell damit verbundene Beschwerden eintragen.

Folgende Lebensmittel sind milchzuckerfrei:

  • Fleisch
  • Fisch
  • Obst und Gemüse
  • Kartoffeln, Nudeln, Reis
  • Hülsenfrüchte
  • Getreide
  • Mineralwasser, Fruchtsäfte, Tee, Kaffee
  • Pflanzenöle
  • Eier

Im Hinblick auf die Verwendung von Milchzucker in industriell gefertigten Lebensmitteln war es bisher für den Verbraucher schwierig, geeignete Lebensmittel auszuwählen. Eine De-klaration von Milchzucker, der als Trägersubstanz für Aromen oder als Emulgator in verarbei-teten Lebensmitteln eingesetzt wird, war bisher nicht vorgeschrieben.
Zukünftig kann die Wahl von Lebensmitteln wesentlich erleichtert werden, wenn nach der Allergie-Kennzeichnungsverordnung Milchzucker in jedem Fall ausgewiesen werden muss. Die Verordnung trat nach einer einjährigen Übergangsfrist im November 2005 in Kraft.
Im Handel gibt es bereits zahlreiche Milchersatzprodukte, die meistens auf Soja oder Reis basieren. Darüber hinaus bieten einige Hersteller milchzuckerfreie Milch und Milchprodukte an. Gerade für Patienten, die sich aufgrund eines stark ausgeprägten Laktasemangels streng milchzuckerarm ernähren müssen (maximal 1 Gramm Milchzucker pro Tag), stellen diese Produkte eine Alternative zu herkömmlichen Milchprodukten dar.

Einsatz von Laktasepräparaten

Zur Vorbeugung von Symptomen sowie zur Verbesserung der Verträglichkeit milchzucker-haltiger Produkte werden unter anderem in Drogeriemärkten laktasehaltige Präparate ange-boten. Sie führen das Enzym Laktase von außen zu und helfen so ganz natürlich bei der Ver-dauung von Milchzucker. Sie sollten vor dem Verzehr der milchzuckerhaltigen Speise einge-nommen werden.

Die verwendete Menge des Laktasepräparates zu den Mahlzeiten muss jeder Patient individuell austesten.

Laktasepräparate sind vor allem unter dem Aspekt von Vorteil, dass, wie bereits erwähnt, Milchzucker vielen Produkten zugesetzt ist, wo man es nicht vermuten würde. Mit einem Lak-tasepräparat ist das Essen außer Haus, wie beispielsweise im Restaurant, wo man keinen Einfluss auf die verwendeten Zutaten hat, für viele Betroffene wesentlich erleichtert.

Komplikationen

Die Ernährungsempfehlungen bei einer Milchzucker-Unverträglichkeit umfassen eine Re-duzierung beziehungsweise Meidung von Milch und Milchprodukten. Diese Lebensmittel stel-len die besten Quellen für den Mineralstoff Kalzium dar. Kalzium wird vom menschlichen Körper vor allem für den Aufbau von Knochen und Zähnen benötigt. Bei Patienten mit einer Milchzucker-Unverträglichkeit besteht deshalb die Gefahr, eine Osteoporose zu entwickeln. Grundsätzlich kann der Kalziumbedarf auch über andere kalziumreiche Lebensmittel wie Grünkohl, Spinat, Brokkoli und Sojabohnen gedeckt werden.
Allerdings ist Kalzium aus pflanzlichen Lebensmitteln - aufgrund der enthaltenen Oxalsäure - schlechter für den menschlichen Organismus verfügbar. Deshalb kann die Zufuhr von Kalzi-um in Kombination mit Vitamin D über Supplemente beziehungsweise kalziumangereicherte Lebensmittel sinnvoll sein.
Auf lange Sicht führen die mit einer Laktoseintoleranz einhergehenden Verdauungsstörun-gen auch zu einer Beeinträchtigung der Darmflora. Der Verzehr prebiotisch oder probiotisch wirkender Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel kann zum Erhalt des natürlichen Gleichgewichts der Darmflora beitragen.

Buchtipps

Das Kalorien-Nährwert-Lexikon
Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2004,
Müller, Sven-D.; Raschke, K.; ISBN 3899935098

Gesund essen bei Laktoseintoleranz
Gräfe & Unzer, 2004,
Maus, S.; Lanzenberger, Britta-M.; ISBN 3774266492

Laktose-Intoleranz
Trias, 2004
Schleip, T.; ISBN 3830431872

Köstlich kochen ohne Milchzucker
Trias, 2003,
Hof, C.; ISBN 3830431740

Textquelle: www.biolabor.de, nachbearbeitet von Dr. Herold

Die Originalinformation steht Ihnen in der Rubrik Downloads zur Verfügung

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Informationen zu Laktose

Milchzucker: Vorkommen, Eigenschaften, Stoffwechsel und Diätetik

Milchzucker hat viele Vorzüge: Für den Säugling ist Milchzucker als wichtigstes Kohlenhydrat in Frauenmilch und Kuhmilch bedeutender Energielieferant. Darüber hinaus fördert er die Bildung der Darmflora von Säuglingen.

In Lebensmitteln erfüllt Milchzucker als Zutat wichtige sensorische, technologische oder ernährungsphysiologische Zwecke. Und in der Volksmedizin wird Milchzucker für viele diätetisch-therapeutische Zwecke verwendet. Doch Experten schätzen, dass in Deutschland rund 15 Prozent aller Menschen an einer Milchzucker-Unverträglichkeit leiden.

Sie müssen ebenso wie Personen mit einer Galaktosämie den Milchzucker je nach Schweregrad der Erkrankung vom Speiseplan streichen. Das kann sich als großes Problem erweisen. Denn Milchzucker ist lebensmittelrechtlich betrachtet kein Zusatzstoff und muss deshalb zwar als Zutat, nicht aber in der Menge im Zutatenverzeichnis auftauchen. Menschen mit Milchzucker-Unverträglichkeit oder Galaktosämie müssen deshalb gut informiert sein über das, was sie essen.

Vorkommen von Milchzucker in der Natur: Laktosegehalt von Lebensmitteln

Milchzucker (Laktose) kommt natürlicherweise nur in Frauenmilch und in Milch bzw. den daraus hergestellten Milchprodukten von Säugetieren (außer Seelöwen) vor. Je nach Spezies schwankt der Laktosegehalt in Milch zwischen 2 % bei einigen arktischen Tierarten und 7 % in Frauenmilch. Kuhmilch enthält rund 4,8 %, Schafsmilch 4,2 bis 5 %, Stutenmilch 6,2 % und Ziegenmilch 4,4 % Laktose.

In der Muttermilch ist der Milchzucker das mengenmäßig wichtigste Kohlenhydrat und somit für den Säugling wichtiger Energielieferant. Kohlenhydrate und damit hauptsächlich der Milchzucker tragen beim Säugling mit etwa 40 % zur Deckung des Energiebedarfs bei.

Milchzucker ist natürlicherweise auch in aus Milch hergestellten Produkten enthalten. Sauermilchprodukte enthalten generell um die 4 bis 5 Gramm Milchzucker je 100 Gramm Produkt. Ein Teil des Milchzuckers wird durch die Milchsäurebakterien abgebaut. Hart-, Schnitt- und Weichkäse sind laktosefrei bzw. enthalten nur noch geringe Mengen von unter 0,1 Gramm.

Vorkommen von Milchzucker in Lebensmitteln und seine Kennzeichnung

Wichtig für Personen mit einer Milchzucker-Unverträglichkeit oder einer Galaktosämie: Laktose wird mittlerweile einem breiten Spektrum an Lebensmitteln beigefügt, so dass viele Fertigprodukte milchzuckerhaltige Zutaten enthalten, wobei die Laktosezufuhr über diese Quellen meist gering ist. Je nach Grad der Unverträglichkeit müssen diese Lebensmittel entsprechend beachtet werden.

Vor allem Desserts, Eiscremes, Backwaren, Schokoladenerzeugnisse, Dressings, Instantsuppen und -soßen, Kartoffelpüreepulver, Streuwürzen, Senf, Ketchup, Müslis, Fleisch- und Wurstwaren (vor allem fettreduzierte Sorten) sowie Brotaufstriche können Laktose enthalten. Darüber hinaus kann Milchzucker enthalten sein in Medikamenten, Süßstoff- und Kleietabletten sowie Zahnpasten. Einige Lebensmittel enthalten sehr hohe Mengen an Milchzucker: So kann z. B. Milchschokolade um die 10 % Milchzucker enthalten.

In der Zutatenliste können zum Beispiel folgende Zutaten auf Milchzucker hinweisen:
Milch, Molke, Molkepulver, Magermilchpulver, Vollmilchpulver.
Wenn in der Zutatenliste lediglich Milchsäure (E270) oder deren Salze (Laktate: E325 bis E327) aufgeführt sind, können die Produkte ohne Bedenken verzehrt werden.

Bei verpackten Lebensmitteln muss die Zugabe von Milchzucker in der Zutatenliste kenntlich gemacht sein. Lebensmittelrechtlich unterliegt Milchzucker als Nicht-Zusatzstoff keiner Anwendungsbeschränkung, außer bei Diabetiker-Lebensmitteln. In Deutschland müssen nach der Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung alle wichtigen Bestandteile eines Lebensmittels auf der Verpackung stehen und zwar in der Reihenfolge der enthaltenen Menge. Über die Menge der enthaltenen Laktose muss das Etikett keine Auskunft geben.

Problematisch für eine Person mit Milchzucker-Unverträglichkeit kann unter bestimmten Umständen die so genannte 25-Prozent-Regel sein: Wenn eine Komponente der Rezeptur selbst aus mehreren Zutaten besteht, z. B. die Fruchtzubereitung in einem Joghurt, so kann sie als “zusammengesetzte Zutat” im Zutatenverzeichnis des Endproduktes aufgeführt werden. Der “Fruchtzubereitung” folgt dann die Aufzählung ihrer eigenen Zutaten. Aber wenn der Anteil der Fruchtzubereitung weniger als 25 Prozent an der Gesamtmenge beträgt, brauchen ihre eigenen Bestandteile nicht genannt werden.

Auch bei Kakaoerzeugnissen wie z. B. Schokolade darf nach der Kakao-Verordnung Laktose bis zu 5 % enthalten sein, ohne dass dies kenntlich gemacht werden muss. Laktose wird häufig als Trägersubstanz für Aromen oder als Umrötungsmittel (z. B. in der Wurst) eingesetzt und braucht in diesem Fall ebenfalls nicht deklariert zu werden.

Bei unverpackten Lebensmitteln, wie sie beim Bäcker oder Metzger erhältlich sind, gibt es keine Zutatenliste, so dass beim Kauf nachzufragen ist, ob Milch oder Milchzucker verwendet worden ist.

Laktose und chemische Eigenschaften

Milchzucker wird aus Molke, dem Milchserum, gewonnen. Das ist die Flüssigkeit, die bei der Käseherstellung nach dem Abscheiden des Käsestoffes (Casein) und des Fettes aus der geronnenen Milch übrigbleibt. Aus der Molke wird über spezielle Trocknungsverfahren die Laktose herauskristallisiert.

Laktose ist ein Zweifachzucker, bestehend aus den Einzelmolekülen Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker)

Einfach- und Zweifachzucker schmecken süß und werden deshalb häufig auch als “süße Kohlenhydrate" bezeichnet. Milchzucker ist ein weißes, kristallines, wenig süß schmeckendes Pulver. Er besitzt etwa ein Viertel der Süßkraft von Saccharose, dem Haushaltszucker. Die Löslichkeit von Milchzucker ist im Vergleich zu anderen Zuckern gering: Ein Massenanteil Milchzucker löst sich in fünf Massenanteilen Wasser. Ungelöster Milchzucker erscheint auf der Zunge oft sandig. Daher wird er in älterer Literatur auch als Sandzucker bezeichnet.

Laktose kann wie Maltose (Malzzucker) mit den Aminogruppen von Eiweißen reagieren. Es kommt zu einer „nichtenzymatischen Bräunungsreaktion“ (Maillard-Reaktion), die in der Lebensmittelherstellung wegen der Bildung von Geschmacksstoffen und Farbeffekten oft ein erwünschter Prozess ist (z. B. bei gewissen Backprozessen: Bräunung der Brotkrume).

Lebensmitteltechnologische Aspekte

Da Milchzucker ein günstiger Rohstoff ist, für die Lebensmittelproduktion wertvolle technologische Eigenschaften besitzt und lebensmittelrechtlich gesehen als Zutat gilt, findet Milchzucker immer mehr Verwendung in der Lebensmittelproduktion.

Das hohe Wasserbindungsvermögen macht Milchzucker zu einem hervorragenden Bindemittel für Lebens- und Arzneimittel. So wird Milchzucker zum Beispiel eingesetzt, um eine höhere Festigkeit (beispielsweise in Joghurts) oder ein größeres Volumen und Gewicht bei nahezu gleicher Kalorienmenge in einem Lebensmittel (fettreduzierte Wurst- und Backwaren) zu erreichen.

Milchzucker ist Trägerstoff von Aromen, Geschmacksverstärkern oder Süßstoffen. Er wird eingesetzt zur Ummantelung von Gewürzmischungen, in Umrötungsmitteln bei der Wurstherstellung und als Bestandteil von Bindemitteln. Ebenso spielt Milchzucker eine wichtige Rolle bei der Karamellisierung von Spezial-Milchpulver und in der Herstellung von Backwaren.

Ernährungsphysiologische Aspekte

Erwachsene nehmen pro Tag normalerweise 20 bis 30 Gramm Milchzucker auf. Um resorbiert werden zu können, muss die Laktose wie jedes andere Kohlenhydrat auch in die Einzelbausteine, hier Glukose und Galaktose zerlegt werden. Dafür ist das Enzym Laktase zuständig, das in der Dünndarmschleimhaut gebildet wird. Im Vergleich zum Enzym Saccharase, welches speziell den Haushaltszucker spaltet, benötigt die Laktase viermal mehr Zeit zur Spaltung eines Milchzuckermoleküls. Zudem beginnt die Laktase ihre Aktivität erst in unteren Darmabschnitten voll zu entwickeln. Milchzucker wird deshalb vom Organismus nur sehr langsam aufgenommen und gelangt bei höherer Dosierung bis in den untersten Darmabschnitt, das Colon.

Während der Darmpassage können zwei unterschiedliche Vorgänge ablaufen: Zum einen im Dünndarm die enzymatische Spaltung des Milchzuckers in Glukose und Galaktose; sie dienen als Energielieferanten und werden resorbiert. Im Dickdarm findet der zweite Vorgang statt: Darmbakterien wandeln den evtl. verbliebenen „Rest-Milchzucker“ um in Milchsäure, Essigsäure und Kohlensäure. Diese Abbauprodukte üben Stoffwechselwirkungen aus, die zum Teil diätetisch genutzt werden.

Da der Milchzucker vom Organismus nur sehr langsam aufgenommen wird, steigt der Blutzuckerspiegel demzufolge nicht so stark an wie bei Traubenzucker oder Haushaltszucker. Durch die langsame Aufnahme gelangt Milchzucker in tiefere Darmabschnitte und begünstigt hier ein Wachstum nützlicher Keime.

Untersuchungen weisen daraufhin, dass eine Ansäuerung des Darminhaltes durch bakteriell gebildete Milchsäure zudem die Löslichkeit und Resorption von Phosphaten und Mineralsalzen erhöhen kann. Ebenso wird vermutet, dass Milchzucker mit Kalzium lösliche, nicht ionisierte komplexe Verbindungen bildet, was die Resorption dieses Mineralstoffs begünstigen könnte.

Milchsäure schafft ein günstiges saures Milieu, welches besonders das Wachstum von Bifidusbakterien fördert und jenes von säureempfindlichen Fäulnisbakterien unterdrückt. Gleichzeitig hat Laktose im Gegensatz zum Haushaltszucker eine abführende Wirkung.

Auch bei Säuglingen gelangt der Milchzucker zum Teil unverdaut in den Dickdarm und wird zu Milchsäure und anderen Säuren abgebaut. Die daraus folgenden Stoffwechselvorgänge sind wesentlich für die Ausbildung einer gesunden Darmflora (Bifidusflora) beim Säugling und unterstützen die Immunfunktion des Dickdarms. 

Milchzuckerunverträglichkeit

Bei den meisten Menschen, die an einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktasemangelsyndrom) leiden, fehlt das Enzym Laktase bzw. ist es in nicht ausreichender Menge vorhanden. Dieser Mangel kann angeboren sein, was allerdings höchst selten der Fall ist, oder sich im Laufe des Lebens als Folge unterschiedlicher Krankheiten vorzüglich des Dünndarms einstellen. In Deutschland leiden circa 15 % der Bevölkerung an einem Laktasemangelsyndrom, während weltweit etwa 90 % der Bevölkerung einen Laktasemangel aufweist.

Es wird diskutiert, dass die ein Leben lang anhaltende Laktaseaktivität durch Mutation entstanden ist. Durch diese Besonderheit stiegen die Chancen sich gut zu ernähren, vor allem für Menschen in Nordeuropa.

Die Unverträglichkeit äußert sich nach dem Verzehr von Milchzucker als Blähung, Durchfall oder als andere Verdauungsbeschwerde. Meiden die Betroffenen besagte Lebensmittel, hören auch die Beschwerden auf. Da es sich aber um eine Unverträglichkeit und nicht um eine klassische Allergie handelt, muss nicht ganz auf Milch bzw. Milchprodukte verzichtet werden, denn in kleinen Mengen wird der Milchzucker normalerweise toleriert. Deshalb sollte mit kleinen Mengen getestet werden wieweit die Toleranz geht. Hinzu kommt, dass der Michzuckerverzehr im Rahmen einer gemischten Mahlzeit besser vertragen wird als als reines Lebensmittel.

Weitere Informationen zur Milchzuckerunverträglichkeit.

Diätetische Aspekte

Therapeutisch wird der Milchzucker im wesentlichen als Abführmittel bei leichter Verstopfung, auch bei Säuglingen, eingesetzt: Seine Abbauprodukte erhöhen den osmotischen Druck im Darm und bewirken den Wassereinstrom in das Darmlumen, wodurch sich Stuhlvolumen und -gewicht erhöhen. Dies, unterstützt durch die Wirkung der Darmgase, führt zu einer sanften Druckerhöhung auf die Dickdarmwände. Die Darmbewegung (Peristaltik) kommt verstärkt in Gang.

Vor allem die im Darm aus Milchzucker bakteriell gebildete Milchsäure übt weitere positive Effekte aus: sie trägt zum erwünschten sauren Darmmilieu bei und hemmt die Aktivität möglicher krankheitserregender Keime (pathogene Stämme von Escherichia Coli, Clostridien, Salmonellen, u. a.) oder auf Darmpilze (Candida). Auch Fäulnisbakterien, die im Dickdarm Eiweiße und Harnstoff abbauen, werden im sauren Milieu in ihrer Vermehrung gehemmt. Mögliche Anwendungsgebiete sind deshalb Krankheiten, die eine Wiederherstellung der natürlichen Darmflora notwendig machen, zum Beispiel nach schweren Darminfekten wie einer Salmonellen-Erkrankung oder nach Antibiotikatherapie.

Da Milchzucker nur langsam in das Blut übergeht, wird Laktose in Sportlernahrung als Energielieferant eingesetzt, der die verfügbare Energie nicht kurzfristig wie Traubenzucker, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg zur Verfügung stellt.

Quelle dieses Artikels: VIS Bayern

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Wo gibt es weitere Informationen zur Laktoseintoleranz, im Internet ?

Sehr geehrte Besucherin, sehr geehrter Besucher,
da nun Laktoseintoleranz ein häufiges Ernährungsproblem darstellt, aber Laktose in vielen Produkten enthalten ist, ist der Informationsbedarf einerseits, aber auch der Bedarf an Laktose-freien Nahrungsmitteln und der Bedarf an Lactase-Produkten andererseits hoch. So gibt es inzwischen auch schon einen Online-Shop für Laktose-freie Produkte.

Ohne Übernahme der Verantwortung für den Inhalt der verlinkten Seiten und der Vollständigkeit der Angaben, nenne ich Ihnen hier einige informative Links.

Falls Sie noch gute weitere Webseiten kennen, lassen Sie es mich wissen.

Informationen und Online Shop für Laktose-freie Lebensmittel: www.laktolee.com

Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.v.: www.fet-ev.eu

Vertreiber von Laktase-Tabletten: www.foodcos.de; www.biolabor.de

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Informationen zu Fructose, Fructose-Unverträglichkeit ?

Fructose (Fruchtzucker)

Mit Fruchtzucker gesüßte Produkte begegnen dem Verbraucher im Supermarkt des Öfteren. Auf Grund ihrer hohen Süßkraft wird Fructose z. B. vielen Erfrischungsgetränken zugesetzt. Welche Rolle spielt Fructose bei der Ernährung von Diabetikern? Sind mit Fruchtzucker gesüßte Produkte eine gesündere Alternative zu Produkten mit Haushaltszucker? Begünstigt ein hoher Fructosekonsum eine Gewichtszunahme?

Fructose ist ein natürlich vorkommendes, süß schmeckendes Kohlenhydrat. Sie befindet sich vor allem in (reifen) Früchten und im Honig. Von den meisten Menschen wird Fructose gut resorbiert (in den Körper aufgenommen). Es gibt allerdings auch Personen, die an so genannter Fructose-Malabsorption leiden und deshalb Fruchtzucker nur bedingt verstoffwechseln können. 

Weil Fructose langsamer als Haushaltszucker (Saccharose) resorbiert wird und außerdem nicht insulinabhängig verstoffwechselt wird, findet sie auch in der Diät des Diabetes mellitus Einsatz. Aber gerade dieser Bereich gerät zunehmend in die Kritik.

In welchen Lebensmitteln kommt Fructose vor?

Fructose kommt in der Natur in allen Früchten und in Honig vor. Im Handel ist sie erhältlich als weißes, kristallines Pulver oder als Maisstärkesirup. Man findet Fructose in Diabetiker-Produkten und inzwischen auch in einigen Produkten des täglichen Bedarfs. Der Fructosesirup wird wegen der hohen Süßkraft häufig zum Süßen von Erfrischungsgetränken verwendet. Verwandte chemische Substanzen (Inulin) finden als praebiotische Ergänzung in Functional Food Verwendung.

Tabelle: Durchschnittlicher Fructosegehalt verschiedener Früchte
Fructose ist ein Monosaccharid (Einfachzucker) mit der Summenformel C6 H12 O6.

Fructose hat eine größere Süßkraft als Haushaltszucker, d. h. um den gleichen Süßeindruck zu erreichen, braucht man eine kleinere Menge. Die Süße zeigt sich in kalten Speisen besser als in warmen. Fructose eignet sich nicht zum Backen, weil sie über 60° C nicht hitzebeständig ist.

Verdauung und Stoffwechsel

Wie wird Fructose normalerweise verdaut und verstoffwechselt?

Fructose wird z. T. schon in der Darmschleimhaut zu Glucose und Milchsäure umgebaut. Die Umwandlungsrate ist bei den verschiedenen Spezies unterschiedlich hoch. Nach der Resorption gelangt die Fructose in die Leber, wo sie fast ganz phosphoriliert und dann je nach Bedarf in die Glycolyse (Energiegewinnung) bzw. in die Gluconeogenese (Herstellung von Glucose) eingeführt wird. 1 Gramm Fructose liefert 4,1 kcal und damit genau soviel Energie wie der übliche Haushaltszucker! Die Umsetzung von Fructose in der Leber geschieht etwa doppelt so schnell wie die anderer Monosaccharide; außerdem ist sie insulinunabhängig. Das ist der Grund, warum Fructose als Diabetikerzucker verwendet wird.

Wie sieht dies bei Personen mit so genannter Fructose-Malabsorption aus?

Bei einer Reihe von Menschen löst der Genuss von Fructose unangenehme Beschwerden im Bauchraum aus. Es ist möglich, dass betroffene Personen an einer Fructose-Malabsorption leiden. Es fehlt der Eiweißstoff, der für den Transport der Fructose zuständig ist. Wenn die Fructose aber nicht über die Dünndarmschleimhaut resorbiert werden kann, gelangt sie in den Dickdarm. Hier wird sie von Bakterien zersetzt, wobei Gase entstehen, die die beschriebenen Symptome verursachen. Gemieden werden sollen deshalb alle Lebensmittel mit hohem Fructoseanteil wie Früchte, Säfte und Vollkornprodukte, sowie Produkte, denen Fructose zugesetzt ist.

Weitaus seltener ist die heriditäre (erbliche) Fructoseintoleranz, die durch einen angeborenen Enzymdefekt auftritt.

Begünstigt ein hoher Fructosekonsum eine Gewichtszunahme?

Dabei zeigt sich immer mehr eine Beziehung zwischen Fructoseverzehr und Übergewicht. Zum einen haben viele Diabetiker die irrige Meinung, dass der diätetische Einsatz von Fructose gleich zu setzen sei mit verminderter Energiezufuhr. Daraus resultiert ein unkontrollierter Verzehr gesüßter Lebensmittel mit dem Ergebnis einer übercalorischen Versorgung und der Entstehung von Übergewicht. Bei Patienten mit bestehendem metabolischen Syndrom besteht die Gefahr, dass dieses verschlimmert wird.

Zum andern haben neue Forschungen gezeigt, dass Mäuse, die Fructoselösung trinken, mehr an Gewicht zunehmen als Kontrollgruppen mit anderen Flüssigkeitsquellen. Außerdem wiesen die Versuchstiere auch eine höhere Leberverfettung auf, wie sie sonst nur durch Alkohol hervorgerufen wird. Dabei sind die Veränderungen nicht auf eine erhöhte Energiezufuhr zurückzuführen, denn die Tiere wurden isocalorisch (= mit gleicher Energiemenge) ernährt. Auch in weiteren Studien wird die Beziehung Fructosekonsum und Adipositas hergestellt. Über den Wirkmechanismus gibt es aber noch keine gesicherten Aussagen.

Weil die Getränkeindustrie immer mehr mit Maisstärkesirup gesüßte Erfrischungsgetränke auf den Markt wirft und Kinder und Jugendliche dieses Angebot besonders gerne annehmen, besteht die Gefahr einer noch größeren Neigung zu Übergewicht im jugendlichen Alter.

Quelle dieses Artikels: VIS Bayern

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Informationen zur Sorbitunverträglichkeit

Was ist eine Sorbitunverträglichkeit?

Sorbit ist das Abbauprodukt von Glukose und Fruktose und stellt chemisch einen Alkohol dar, der wegen seiner Süße auch als Zuckerersatzstoff genutzt wird. Da zum Abbau im Körper kein Insulin erforderlich ist, wird Sorbit häufig in diätetischen Produkten genutzt.

Während Sorbit in natürlichen Lebensmitteln vorkommt (in allen Trockenfrüchten, Weintrauben, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Äpfeln, usw.) ist es als Lebensmittelzusatz kennzeichnungspflichtig (E420) und wird generell bei Kaugummi, Zahnpflegeprodukten, Lutschpastillen, usw. eingesetzt.

Wenn Sorbit nicht von der Dünndarmwand aufgenommen werden kann, werden die Sorbitmoleküle durch die Bakterien des Dickdarms unter Gasbildung verstoffwechselt.

Welche Symptome treten auf ?

Die Hauptsymptome einer Sorbitunverträglichkeit sind

  • Blähungen
  • Durchfall
  • Bauchkrämpfe
  • Übelkeit

Welche Bedeutung hat dies für die Ernährung?

Sorbit als Süßungsmittel (Kaugummi, Fishermens Friends, Vivil, Tic Tac, usw.) und Sorbit-reiche Nahrungsmittel (Trockenfrüchte im Müsli, Rosinen, Trauben) sind grundsätzlich zu meiden. Kleine Mengen Sorbit (meist 10 – 20 g Sorbit/Tag, gelegentlich auch weniger) werden oftmals toleriert. Um Blähungen und allgemeinen Oberbauchbeschwerden vorzubeugen, empfiehlt sich eine leicht verdauliche, nicht blähende Kost.

Ernährungsrichtlinien

  • meiden von Sorbit und Sorbit- haltigen Nahrungsmitteln
  • Leicht verdauliche, nicht blähende Kost

Auswahl der Nahrungsmittel

  • Sorbitreich und somit ungeeignet sind folgende Nahrungsmittel
  • Sorbit als Süßungsmittel: z.B. Sionon, Flarom, Diabetiker-Süßungsmittel
  • Diätetische Nahrungsmittel mit Sorbit gesüßt: Diabetiker-Marmeladen, Diabetiker-Süßigkeiten, Diabetiker-Gebäck
  • Von Natur aus Sorbit-reiche Obstsorten: Äpfel, Kirschen, Birnen, Pflaumen, Pfirsiche, Datteln, Steinobst wie Mirabellen, Aprikosen, Nektarinen, sämtliche aus diesen Obstsorten hergestellten Fruchtsäfte
  • Von Natur aus Sorbit-arme Obstsorten: Beerenobst wie Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Zitrusfrüchte, Bananen, Ananas, Kiwi
  • Sorbit als Umhüllung von: Sultaninen, Rosinen und Trockenobst bzw. Dörrobst
  • Sorbit in Süßigkeiten: Kaugummi, Gummibärchen, Geleefrüchte, Bonbons, Schokoriegel, gefüllte Waffeln, Schokolode, usw.
  • Sorbit, um Trockenprodukte rieselfähiger zu halten, z.B. in Grieß, Puddingpulver, Puderzucker usw. – Sorbit wird hier jedoch nur in extrem geringen Mengen eingesetzt.

Es empfiehlt sich, die Angaben der Verpackungsanzeigen zu beachten (Sorbit, E 420)

Im Internet: www.wikipedia.de, www.LIBASE.de

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Ad Sorbit: "zurück zum Zucker"

Süße Ersatzstoffe wie Sorbit schonen zwar die Zähne, aber keineswegs den restlichen Körper. Vor allem Kindern können sie gefährlich werden.

Auf der Packung stand eine Warnung: Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken. Aber das das Kleingedruckte auf den geliebten Kaugummis der Beginn ihres Unglücks war, damit hatte die junge Frau nicht gerechnet, deren Leidensweg vor Kurzem Aufsehen erregte und „zuckerfreie“ Leckereien in Verruf brachte.

Berliner Mediziner berichteten im British Medical Journal über die junge Frau: Die 21-jährige litt seit etwa acht Monaten unter Durchfall und Unterleibsschmerzen und hatte 22 Pfund verloren. Die Ärzte dachten, sie hätte eine Colitis entwickelt, eine entzündliche Darmerkrankung. Doch die Spezialisten der Berliner Charitè um Herbert Lochs konnten im Darm nichts finden. Dafür fiel ihnen auf, dass die Patientin eine Menge Stuhlgang produzierte: 1,9 Kilogramm pro Tag. Normal wären 250 Gramm. Die Ursache: Die junge Frau kaute ständig zuckerfreie Kaugummis – 16 Stück pro Tag. Damit nahm sie etwa 20 Gramm von dem Zuckeraustauschstoff Sorbit zu sich – viel zu viel.

Weil der Dünndarm Stoffe wie Sorbit kaum aufnehmen kann, bleiben sie im Verdauungstrakt, binden dort Wasser und verflüssigen so den Stuhl. Das ständige Kauen verstärkt das Problem wahrscheinlich, denn dabei bilden sich eine große Menge Speichel und verdauungsfördernde Magensäure.

In Maßen gegessen, gilt der kulinarisch wenig beglückende Zuckerersatz als unbedenklich. Er hat sogar einen klaren Vorteil: Die Substanzen schmecken jenen Bakterien nicht, die Karies fördern. Deshalb mischt die Industrie sie in Kaugummis, Lutschbonbons, Zahnpasta für Kinder und kennzeichnet die „zuckerfreien“ Produkte mit einem glücklichen Zahn unterm Regenschirm.

Für Kinder seien diese Süßungsmittel aber schon gar nicht empfehlenswert, betont Irmgard Lütticken von der Ernährungsberatung des Landes Rheinland-Pfalz, denn Kinder reagieren noch viel empfindlicher als Erwachsene. Die Großen sollten nicht mehr als 10 bis 15 Gramm Zuckerersatz zu sich nehmen, die Kleinen entsprechend weniger. Wie viel Bonbons oder Kaugummis das sind, lässt sich aber kaum sagen, da die Rezeptur leider meist nicht auf der Packung angegeben ist.

„Zuckeraustauschstoffe sind für gesunde Kinder überhaupt nicht nötig“, sagt Matthilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Eltern sollten Zucker als Genussmittel akzeptieren: „Zehn Prozent der Kalorien einer optimierten Mischkost für Kinder dürfen aus Süßigkeiten stammen. Und: Der Süßhunger der Kinder wird durch den Ersatz nur größer“.

Nicht einmal Zuckerkranken empfehlen Ärzte heute noch, auf Sorbit, Fruktose & Co. auszuweichen. Zwar wird der Zuckerersatz ohne Insulinverbrauch abgebaut. Aber Zuckeraustauschstoffe erhöhen, was sich wieder Eltern noch Ernährungsexperten wünschen: den Blutfettspiegel. Das Fazit der Experten: Zuckeraustauschstoffe sind überflüssig.

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Informationen zur Histaminintoleranz

Die Histaminintoleranz (Histaminunverträglichkeit) ist eine in der Öffentlichkeit fast unbekannte Form einer Verdauungsstörung von Nahrungsmitteln, die auf einem Enzymmangel der Dünndarmschleimhaut beruht.

Als Histaminunverträglichkeit bezeichnet man ein vielfältiges Beschwerdebild bei Histaminzufuhr durch histaminreiche Nahrungsmittel. Die Ursache ist ein Mangel des Histamin-abbauenden Enzyms Diaminoxidase (DAO) oder ein Missverhältnis von Diaminoxidase und anfallendem Histamin. Es handelt sich um ein erworbenes Krankheitsbild, von dem ca. 1% der europäischen Bevölkerung betroffen ist (80% weiblichen Geschlechts).

Der Nachweis der Unverträglichkeit wird geführt über eine Bestimmung aus dem Blutserum, die kosten für den Test werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Auch gesunde Menschen (ohne DAO-Mangel) können an Symptomen einer Histaminunverträglichkeit leiden, wenn die zugeführte Nahrung extreme Mengen an Histamin aufweist, es handelt sich hierbei um eine „Nahrungsmittelvergiftung“ (Intoxikation) und nicht um eine Histaminunverträglichkeit, umgangssprachlich wird es als Histaminschock bezeichnet.

Die Symptome sind ähnlich wie bei einer Nahrungsmittelallergie, es besteht jedoch keine immunologische Grundlage.

Abzugrenzen ist eine Laktoseintoleranz, Sorbitintoleranz und eine Fruktoseunverträglichkeit.

Häufig verbirgt sich unter der Sammelbezeichnung des Reizdarm-Syndroms eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Histaminintoleranz, die Erkennung der auslösenden Faktoren und die Anpassung der Ernährung ist ein wesentlicher Baustein in der Diagnostik und Therapie des Reizdarm.

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Histaminintoleranzsyndrom: Artikel Prof. Klimek

Das Histaminintoleranzsyndrom (aus Journal Med; Schwerpunktthema 11/2009)

Prof. Dr. med. L. Klimek, Wiesbaden:

Das Histaminintoleranzsyndrom ähnelt in der Symptomatik der allergischen, IgE-vermittelten Reaktion. Die betroffenen Patienten, meist Frauen mittleren Alters, leiden z.B. unter Kopfschmerzen und Fließschnupfen, insbesondere nach dem Verzehr histaminreicher Nahrungsmittel, dem Genuss alkoholischer Getränke oder der Einnahme bestimmter Medikamente. Neben diesen Symptomen sind ebenfalls lebensbedrohliche anaphylaktische Reaktionen zu beobachten. Der vorliegende Artikel beschreibt die biochemischen Prozesse und zellulären Hintergründe des HIS und die diagnostischen und therapeutischen Verfahren auf. Unser Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf dieses oft unerkannte Krankheitsbild zu lenken und zu einem vertieften immunologischen Verständnis beizutragen.

Histaminmetabolismus

Vor noch nicht ganz 100 Jahren wurde das biogene Amin Histamin (2-4[4-imidazolyl]ethylamin) entdeckt[5] und 1932 als Mediator der anaphylaktischen Reaktion identifiziert[27]. Histamin ist eine einfache chemische Substanz, die mittels des Enzyms L-Histidin-Decarboxylase (HDC) durch Decarboxylierung der Aminosäure L-Histidin in einer Vielzahl von unterschiedlichen Zellen synthetisiert wird. Hierzu gehören die Basophilen Granulozyten, Thrombozyten, enterochromaffine Zellen, histaminerge Neurone und Mastzellen, in denen Histamin in intrazellulären Vesikeln gespeichert wird und auf einen Stimulus hin freigesetzt werden kann.

Die Liberation von Histamin in Mastzellen beruht auf deren Degranulation, die ihren Ursprung in der Kreuzvernetzung von FcεRI-Rezeptoren durch IgE-Antikörper nach Bindung eines Allergens findet. Neben diesem bekannten, IgE-abhängigen Weg, existieren einige weitere nichtimmunologische Stimuli, wie Neuropeptide, Komplementfaktoren, Zytokine, Lipoproteine, chemische und physikalische Faktoren, sowie einige Nahrungsmittel und Alkohol, die zu einer IgE-unabhängigen Freisetzung von Histamin führen können.

Für Histamin existieren beim Menschen vier verschiedene Histamin-Rezeptoren: Histamin-1-Rezeptor (H1R), H2R, H3R und H4R. Die hierdurch ausgelösten Effekte sind beispielsweise eine Kontraktion der glatten Muskelzellen, Vasodilatation, erhöhte Permeabilität der Gefäße in der Endzirkulation, eine Tachykardie, Hypotonie, Herzrhythmusstörungen, erhöhte Sekretion von Magensäure und eine Stimulation nozizeptiver Nervenfasern. Darüber hinaus ist bekannt, dass Histamin unter anderem eine Rolle bei der Neurotransmission, Immunmodulation, Hämatopoese, Wundheilung und in der zirkadianen Rhythmik (Tag-Nacht-Rhythmus) spielt.

Die Inaktivierung von Histamin erfolgt mit Hilfe von zwei Enzymen: a) als oxidative Deaminierung durch das Enzym Diaminoxidase (DAO) und b) als Ringmethylierung durch das Enzym Histamin-N-methyltransferase (HNMT). DAO tritt als sekretorisches Protein auf und metabolisiert extrazelluläres Histamin, wohingegen HNMT als zytosolisches Enzym nur intrazellulär wirken kann. Hierin begründet sich die Vorreiterstellung des kupferhaltigen, homodimeren Glykoproteins DAO bei der Inaktivierung von endogenem und exogenem (über die Nahrung aufgenommenem) Histamin.

Histamin in Nahrungs- und Genussmitteln

Das biogene Amin Histamin und sein chemischer Ausgangsstoff Histidin kommen in unterschiedlichen Konzentrationen in fast allen Nahrungsmitteln vor (siehe Tabelle 1). Gerade die Reifungs- oder Gärungsprozesse bei der Herstellung mikrobiell produzierter Lebensmittel können zu erheblichen Konzentrationen von Histamin führen [4, 21]. Ursache hierfür ist die gesteigerte HDC-Aktivität vieler Hefen und Bakterien. Nahrungsmittel mit potentiell hohem Histamingehalt sind zum Beispiel geräucherter oder gepökelter Fisch, gereifte Käsesorten, haltbar gemachte Wurst und Salami, aber auch Gemüse wie Sauerkraut, Auberginen, Spinat und Tomaten[9]. Alkoholhaltige Genussmittel wie Weiß- und Rotwein[10, 26], Bier[7] und Champagner sind ebenfalls bekannt für den hohen Gehalt an Histamin und stehen zudem in Verdacht, das Enzym DAO zu blockieren[23, 30]. Tabelle 1 zeigt den Histamingehalt verschiedener Nahrungsmittel.

Darüber hinaus gibt es Nahrungsmittel, bei denen histaminfreisetzende Eigenschaften vermutet werden. Hierzu gehören unter anderem Schokolade, Alkohol, Zitrusfrüchte, Schalentiere, Nüsse, Tomaten, Ananas und Erdbeeren, sowie Additiva und Gewürze. Dieses wird allerdings kontrovers diskutiert, da in vivo Daten oder klinische Studien zur Histaminfreisetzungskapazität ausstehen [24]. 

Histamin und Medikamente

Einige Medikamente haben inhibitorische Wirkung auf die Diaminoxidase und führen so zu einem erhöhten Histaminspiegel. Zu diesen gehören unter anderem Broncholytika und Antiarrhythmika wie Aminophyllin und Propafenon und werden also zum Teil auch bei Symptomen eines erhöhten Histaminspiegels eingesetzt. Neben den DAO-Hemmern gibt es, speziell bei den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), eine Reihe von Histaminliberatoren, z.B. Mefenaminsäure, Diclofenac, Indometacin, Flurbiprofen, Naproxen, Ketoprofen und Acetylsalicylsäure. Die Einnahme dieser Substanzen führt ebenfalls zu erhöhten Blut- und Gewebsspiegeln an Histamin [8].

Das Histaminintoleranz-Syndrom (HIS)

Im Gegensatz zu klassischen, IgE-vermittelten allergischen Reaktionen zählt das Histaminintoleranz-Syndrom zu den sogenannten „Pseudoallergien“ oder „Intoleranz-Erkrankungen“ [8]. Die Ursache dieser Erkrankung kann einerseits ein quantitativer Mangel bzw. eine reduzierte Aktivität des Enzyms DAO (z.B. durch DAO-Inhibition) bei „normaler“ Histaminmenge, anderseits eine „normale“ DAO-Menge und –Aktivität bei erhöhtem Anfall von Histamin, bedingt z.B. durch die vermehrte Aufnahme von histaminreicher Nahrung, Histaminliberatoren oder andere Ursachen sein [16].

Die Symptomatik tritt dosisabhängig bereits beim Erstkontakt in Erscheinung; es existiert ein individueller Schwellenwert. Betroffen sind circa 3% der Weltbevölkerung, hiervon 80% Frauen mittleren Alters[9]. Die häufigsten Symptome oder Erkrankungskomplexe sind:

Quincke-artige Ödeme, chronisch-persistierende oder chronisch-rezidivierende Rhinitis; chronische RhinoSinusitis oder Polyposis nasi et sinuum, Cephalgien, Flush-Syndrome; Asthma bronchiale; Migräne, Arrythmien, Hypotonie, rezidivierende Urticaria, Diarrhoe; unspezifische gastrointestinale Symptomatiken; Vomitus und Dysmenorrhoe. Das Histaminintoleranz-Syndrom kann aber auch lebensbedrohliche Ausmaße annehmen und zum anaphylaktischen Schock führen.

Diagnostik der Histaminintoleranz

Bedingt durch die hohe Bandbreite an möglichen Symptomen ist eine detaillierte Anamnese nötig. Dies beinhaltet sowohl die detaillierte Befragung des Patienten zur Aufnahme histaminreicher Nahrungsmittel oder Einnahme von Medikamenten, die in den Histaminstoffwechsel eingreifen, als auch die diagnostische Abklärung gastrointestinaler Erkrankungen und IgE-vermittelter Allergien. Gerade die allergologische Diagnostik ist hierbei hervorzuheben, da die Symptome des HIS von den Symptomen einer Typ-I-Allergie kaum zu unterscheiden sind (siehe Tabelle 2). 

Jarisch empfahl die Verwendung von Indikator-Symptomen [8] als anamnestischen Hinweis auf die Erkrankung. Treten diese auf und ist eine Verbessung durch histaminfreie Diät oder die Einnahme von Antihistaminika sichtbar, so sollte ein Histaminintoleranz-Syndrom als Diagnose in Betracht gezogen werden.

Labordiagnostisch sind der Histaminspiegel im Serum und die DAO-Aktivität im peripheren Blut wegweisend. Die Aktivitätsbestimmung erfolgt enzymatisch mittels Radioextraktionsassays, bei denen radioaktiv markiertes Putrescindihydrochlorid als Substrat verwendet wird. Da die Aktivität der DAO normalerweise relativ gering ist, wird vor Blutentnahme Heparin gespritzt, um gewebegebundene DAO freizusetzen. Die postheparine Freisetzung der DAO ist allerdings höchst inkonsistent und weist eine hohe interindividuelle Variabilität auf [14]. Neuere Methoden umgehen diesen Schritt: Garcia-Martin et. al konnten einen sensitiven Assay etablieren, der auf der Oxidation von O-Dianisidin beruht und Cadaverindihydrochlorid als Substrat nutzt [6]. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass der Assay ohne radioaktive Markierung auskommt. Anhand der ermittelten enzymatischen Aktivität kann nun eine Aussage über das Vorliegen eines Histaminintoleranz-Syndroms getroffen werden: liegt die Aktivität bei ≥10 U/ml ist sie unwahrscheinlich, bei <10 U/ml wahrscheinlich, ein Wert von < 3 U/ml ist nahezu beweisend für einen pathologischen Befund. Einschränkend ist dieses diagnostische Verfahren nicht bei schwangeren Frauen einsetzbar, da diese einen 500 – 1000fach höheren Spiegel an DAO als Nicht-Schwangere haben. Um falsch negative Befunde auszuschließen sollte bei Patienten, die klinische Merkmale des Histaminintoleranz-Syndroms aufweisen, zusätzlich der Histaminspiegel im Serum untersucht werden [10, 20, 22]. Hierfür existieren verschiedene Radio- und Enzym-Immunoassays. Weiterhin kann es sinnvoll sein, Kupfer, Vitamin B6 und Vitamin C zu bestimmen. Diese dienen der DAO als Kofaktoren und sind essentiell für die Funktion des Enzyms und damit für die Metabolisierung des Histamins. Bei pathologischen Befunden ist ggfls. eine Substitutionsbehandlung erforderlich.

Als Goldstandard in der HIS-Diagnostik gilt der doppelblinde, placebokontrollierte orale Provokationstest (DBPCFC) nach histaminarmer Diät[25, 28]. Der Patient erhält dazu an aufeinanderfolgenden Tagen ein ernährungswissenschaftlich zusammengestelltes Menü. Im Gegensatz zu einer offenen Provokation ist hierbei weder dem Patienten noch dem Arzt bekannt, an welchem Tag histaminreiche Lebensmittel getestet werden. Der Histamingehalt der Speisen ist dabei entweder den ganzen Tag über hoch (Histaminprovokation) oder ausgesprochen niedrig (Placebokontrolle). Die Provokation ist zeitlich aufwendig, dafür verringert diese Vorgehensweise jedoch die Anzahl an falsch positiven Reaktionen.

Eine Übersicht über das diagnostische Vorgehen bei Verdacht auf Histaminintoleranz ist als Flussdiagramm in Abbildung 1 dargestellt

Die Bestimmung der Serumtryptase kann hinsichtlich einer differentialdiagnostisch zu bedenkenden versteckten Mastozytose hilfreich sein [1].

Therapie des Histaminintoleranz-Syndroms

Bis heute ist kein Medikament bekannt, welches die Aktivität der Diaminoxidase signifikant erhöht. Einen anderen Ansatz bietet das diätetische Nahrungsmittel PelLind®, welches DAO enthält und diese im Körper substituieren soll. Studien über die Wirksamkeit hierzu stehen aber noch aus.

Sollte ein Mangel an Vitamin B6 - dem Coenzym der DAO - festgestellt werden, so ist eine Substitution von 0.5mg pro Tag und kg Körpergewicht als therapeutische Massnahme empfehlenswert. Besonders bei eiweißreicher Nahrungsaufnahme sollte generell vermehrt Vitamin B6 aufgenommen werden, da dieses zum Abbau von Proteinen benötigt wird[9].

(Dinatrium-) Cromoglicinsäure (DNCG) und andere Mastzellstabilisatoren können eine Reduktion der Histaminfreisetzung und damit verbunden des Gewebehistaminspiegels bewirken; gute therapeutische Erfolge wurden insbesondere bei gastrointestinalen Beschwerden, bei Migräne sowie bei HIS-induzierten Hautveränderungen beschrieben[9]. DNCG erfordert bei HIS allerdings 4-6 Anwendungen täglich.

Bei Nedocromil handelt es sich um eine zu DNCG analog wirkende Substanz, ein Derivat der Pyranochinolindicarbonsäure. Es verfügt über eine stärkere und länger anhaltende Wirkung auf die Mediatorausschüttung aus Mastzellen und muss daher nur zweimal täglich angewendet werden. Allerdings ist Nedocromil in Deutschland nur zur topischen Anwendung an Nase, Bronchien oder Konjunktiven verfügbar und ist daher nur sehr begrenzt bei Symptomen eines HIS einsetzbar.

Orale Antihistaminika (H1-Blocker) gelten als medikamentöse Therapie der ersten Wahl bei HIS und sind einzuteilen in Äthylendiamine, Colamine, Propylamine und Phenothiazine. In Deutschland sind rund 50 Präparate aus dieser Substanzklasse zugelassen, ihr Wirkungseintritt erfolgt relativ rasch.

H1-Antihistaminika blockieren die Histamin-1-Rezeptoren und bewirken so eine verbesserte Verträglichkeit von Histamin, egal ob dieses durch die Nahrung aufgenommen oder durch endogene Reaktionen freigesetzt wird[9]. Antihistaminika der Ersten Generation (“sedierende Antihistaminika” z.B. Chlorphenoxamin; Clemastin; Dimetinden; Diphenylpyralin; Hydroxyzin; Ketotifen u.a.). Diese Präparate haben heute nur noch bei parenteraler Anwendung z.B. bei anaphylaktischen Reaktionen oder als orale Präparate bei erwünschten sedierender Wirkung (z.B. bei starkem Juckreiz) eine gewisse Bedeutung. Sie sind in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und wirken so direkt auf die H3-Rezeptoren im Gehirn, was zu einer Sedierung und einem reduzierten Reaktionsvermögen führt. Promethazin und Dimenhydrinat werden nur noch bei Vestibulopathien und Kinetosen eingesetzt und hemmen die Histamin-vermittelte Reizweiterleitung an das Brechzentrum des Gehirns [29].

Antihistaminika der zweiten Generation (“nichtsedierende Antihistaminika”) sind z.B. Ceterizin, Loratadin, Acrivastin, Mizolastin, und Fexofenadin. Diese Präparate wurden seit Mitte der 80er Jahre für die antiallergische Therapie eingeführt. Sie sind deutlich weniger sedierend und rezeptorspezifischer als die Erstgenerationsantihistaminika. Die meisten Stoffe dieser Generation sind heute als Generika verfügbar.

Aus der Weiterentwicklung dieser Wirkstoffe gingen Antihistaminika der so genannten 3. Generation hervor[2, 3]. Sie zeichnen sich per Definition durch den spezifischen und potenten H1-Rezeptorantagonismus, Wirksamkeit über 24 Stunden und additive antiinflammatorische Effekte aus, ohne klinisch relevante sedierende oder kardiotoxische Effekte oder andere Nebenwirkungen wie Leber- und Nierentoxizität hervorzurufen [2]. Diese verschreibungspflichtigen Wirkstoffe wie Desloratadin, Levocetirizin und Fexofenadin [2] können somit gegenüber den als Generika verfügbaren älteren Antihistaminika klinische Vorteile bieten.

Derzeit stellen diese Präparate daher den Goldstandard der Therapie des HIS mit H1-Antagonisten dar.

Generell sollte Patienten mit einem HIS eine Karenz von Antiphlogistika/Analgetika mit folgenden Inhaltsstoffen empfohlen werden: Meclofenaminsäure, Mefenaminsäure, Diclofenac, Indometacin und Acetylsalicylsäure. Andere Antiphlogistika/Analgetika hemmen dagegen eher die Histaminfreisetzung und werden auch bei Histaminintoleranz gut vertragen, u.a.: Fenbufen, Levamisol und Ibuprofen [9].

Grundsätzlich sollten Patienten mit einer Histaminintoleranz die Zufuhr von exogenem Histamin reduzieren und hierzu auf eine histaminarme Diät achten[25]. Bei konsequenter Einhaltung einer solchen Diät kann auf eine Einnahme von Antihistaminika verzichtet werden, da kein signifikant erhöhter additiver Effekt zu erkennen ist [22].

Klinische Manifestationen des Histaminintoleranz-Syndroms

Der HNO-Bereich ist neben Haut und Darm einer der Hauptmanifestationsorte für das HIS. Ein Histaminintoleranz-Syndrom sollte bei den nachfolgend dargestellten Erkrankungen in Betracht gezogen werden. Bei chronisch persistierenden oder chronisch-rezidivierenden nasalen Beschwerden im Sinne einer „allergischen“ Rhinitis ist differentialdiagnostisch selbstverständlich an erster Stelle eine Typ-I-vermittelte Inhalationsallergie zu beachten. Sollte die sorgfältige Allergiediagnostik negativ bleiben und weitere Differentialdiagnosen (ASS-Intoleranz-Syndrom u.a.) ausgeschlossen sein, kann die HIS-Diagnostik sinnvoll werden. In unserem Krankengut finden wir positive Befunde v.a. bei Patienten, die eine Rhinitis-Symptomatik nach Ingestion histaminreicher Nahrung (s.o.) aufweisen.

Auch die chronische Rhinosinusitis und sogar die Polyposis nasi kann mit einem HIS assoziiert sein. Hier ist allerdings unserer Erfahrung nach die alleinige Behandlung des HIS mittels Histamin-armer Diät, Antihistaminika, DAO-Substitution und ggfls. Substitution von Kupfer, Vitamin B6 und/oder Vitamin C nur selten ausreichend. Im Rahmen eines Gesamtkonzeptes – beispielsweise nach erfolgreicher operativer Sanierung der NNH – kann diese jedoch zur Rezidivprophylaxe sinnvoll sein.

Rezidivierende Quincke-artige Ödeme stellen eine weitere wichtige Differentialdiagnose des HIS im HNO-Bereich dar. Unserer Erfahrung nach ist ein HIS bei diesen Patienten sogar erheblich häufiger als die „klassische Ursache“ eines C1-Esterase-Inhibitor-Mangels. Hierbei kommen alle Varianten der Erkrankung vor. Von reinen Lippen- und Lidschwellungen bis zu Zungen- und Larynxödemen reichen hierbei die klinischen Erscheinungsformen des HIS. In unserem Krankengut finden sich Quincke-Ödeme bei HIS v.a. infolge der Einnahme von Medikamenten mit Eigenschaften einer DAO-Hemmung oder Histaminliberation.

Cephalgien bei HIS sind vielfältig und oftmals schwer einzuordnen. Häufig sind sie migränoid, können jedoch auch einem Spannungskopfschmerz gleichen. Eine Histamin-arme Diät, evtl. in Kombination mit einem H1-Antihistaminikum zeigt erstaunlich oft eine gute Wirksamkeit.

Anaphylaktische Reaktionen kommen bei HIS gehäuft vor und manifestieren sich im Wesentlichen an Haut, Atemwegen, kardiovaskulärem System und Gastrointestinaltrakt. In der Regel besteht eine Augmentation oder Summation verschiedener Anaphylaxie-fördernder Faktoren [18].

Dies kann ein kombiniertes Einwirken verschiedener Reize wie z.B. Allergenexposition, physische Anstrengung („exercise-induced anaphylaxis“), mentaler oder emotionaler Stress, akute Infekte sowie Anwendung von Anaphylaxie-fördernden Medikamenten sein [11].

Innerhalb von Sekunden bis Minuten kommt es zu einer Permeabilitätserhöhung der Kapillaren mit nachfolgender Plasmaexsudation. Entsprechend der Intensität der klinischen Symptomatik der Anaphylaxie hat sich eine Einteilung in Schweregrade von I – IV nach Ring und Meßmer bewährt (siehe Tabelle 2).

Die Symptomatik anaphylaktischer Reaktionen setzt akut ein und kann sehr rasch fortschreiten. So kann es innerhalb von Minuten zu einer Verstärkung der Schweregrade von I zu IV kommen. Bei einer Reaktion vom Schweregrad I ist die weitere Entwicklung und Dynamik der Reaktion zunächst primär nicht absehbar. Deshalb sind das Anlegen eines intravenösen Zugangs und die sorgfältige Beobachtung des Patienten unabdingbar. An Haut und Schleimhäuten können sich Juckreiz, Erythem (Flush), Urtikaria und Angio-Ödeme zeigen [12].

Leichtere Reaktionen machen sich zu Beginn lediglich durch Juckreiz bzw. Brennen an Handinnenflächen und Fußsohlen oder im Genitalbereich, metallischen Geschmack, Angstgefühle, Kopfschmerzen oder Desorientierung bemerkbar.

An der Lunge führen die verschiedenen Mediatoren zur Bronchokonstriktion mit Entwicklung von Dyspnoe, in unterschiedlichem Ausmaß auch zur Vasokonstriktion mit zum Teil extremer Erhöhung des pulmonalen vaskulären Widerstandes bis hin zur akuten respiratorischen Insuffizienz. Als Folge der Permeabilitätsstörung kann es auch zum Lungenödem kommen [17].

Die gastrointestinalen Symptome umfassen Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe. Infolge der Permeabilitätsstörung mit Flüssigkeitsverlust ins Gewebe kommt es zu einer Hämokonzentration mit arterieller Hypotension. Es entwickelt sich eine Tachykardie, die durch den positiv-chronotropen Effekt von Histamin noch verstärkt wird [17].

Die therapeutischen Maßnahmen bei einer Anaphylaxie bei HIS sind detailliert in Tabelle 3 beschrieben.

Diskussion

Die Symptomatik der Histaminintoleranz ähnelt den Beschwerden der klassischen IgE-vermittelten allergischen Reaktion. Insbesondere das Auftreten von „Indikator-Symptomen“ nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel oder nach der Einnahme von gewissen Medikamenten erfordert eine weitergehende allergologische Diagnostik, bei der das Krankheitsbild der HIS in näheren Betracht gezogen werden sollte. Es ist von Relevanz, Defekte im Histamin-Stoffwechsel zu erkennen und über geeignete therapeutische Maßnahmen einen deutlichen Anstieg der Lebensqualität bei betroffenen Patienten zu erzielen.

Anschrift des Autors:

Prof. Dr. med. L. Klimek
Zentrum für Rhinologie und Allergologie
An den Quellen 10
65183 Wiesbaden
Tel.: 0611 - 8904381
Fax: 0611 - 8904382

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Informationen zu Zoeliakie / Sprue

Zöliakie (beim Erwachsenen auch noch Sprue genannt) ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten beruht. Gluten kommt vor allem in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer vor.

Im Dünndarm wird die aufgenommene Nahrung in ihre Bestandteile zerlegt und gelangt über die Dünndarmschleimhaut in den Körper. Damit der Körper mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden kann, ist der Darm mit vielen Falten, den sogenannten Zotten, ausgekleidet. Bei Zöliakie-Betroffenen führt die Zufuhr von Gluten zu einer Entzündung der Darmschleimhaut. Die Zotten bilden sich zurück. Dadurch wird die Oberfläche des Dünndarms immer kleiner und es können nicht mehr genügend Nährstoffe von Körper aufgenommen werden. Als Folge können Mangelerscheinungen auftreten.

Bei der Zöliakie spielen erbliche Faktoren eine wichtige Rolle, aber auch das Immunsystem und Umweltfaktoren beeinflussen die Entstehung. Die komplexen Zusammenhänge sind noch nicht eindeutig geklärt.

Bis vor einigen Jahren ging man davon aus, dass im Durchschnitt etwa einer von 1.000 Menschen in Deutschland von Zöliakie/Sprue betroffen ist. Neuere Screening-Untersuchungen zeigen aber, dass die Häufigkeit bei 1:100 bis 1:200 liegt. Aber nur bei 10-20 % der Betroffenen liegt das Vollbild der Zöliakie/Sprue vor. 80-90% der Patienten haben untypische bis keine Symptome und wissen oft nichts von ihrer Erkrankung.

Das Krankheitsbild im Erwachsenenalter

Die Zöliakie/Sprue des Erwachsenen hat das gleiche Krankheitsbild wie die Zöliakie des Kindes. Die Zöliakie/Sprue kann auch noch im reifen und fortgeschrittenen Erwachsenenalter erstmalig auftreten. Viele Patienten sind um 30 - 40 Jahre alt, wenn die Sprue erstmals entdeckt wird, sie kann jedoch auch jenseits des 60. Lebensjahres noch auftreten.

Auch heute wird die Diagnose meist leider immer noch erst Jahre nach dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen gestellt. Diese Verzögerung der Diagnostik ist meist dadurch bedingt, daß heute seltener das Vollbild der Zöliakie/Sprue mit massivem Gewichtsverlust und Durchfall mit Fettstühlen auftritt.

Häufig treten Krankheitverläufe auf, bei denen nur einzelne Symptome auftreten. Man spricht hier von der oligosymptomatischen oder stummen Zöliakie/Sprue. Eine unklare Eisenarmut bzw. eine Eisenmangelanämie sind oft das einzige Symptom, das auf eine Zöliakie/Sprue hinweist. Aber auch Knochenschmerzen mit Osteomalzie oder eine Arthritis können können Anzeichen der Erkrankung sein.

In allen diesen Fällen findet man trotz fehlender Darmsymptomatik positive Antikörpertests wie auch eine Schleimhautschädigung im Dünndarm.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Ein Bluttest auf die Antikörper Transglutaminase-Antikörper, Endomysium-Antikörper und Gliadin-Antikörper gibt den ersten wichtigen Hinweis auf eine Zöliakie/Sprue.

Die endgültigen Absicherung der Diagnose erfolgt durch eine Dünndarmbiopsie.

Die heute übliche endoskopische Dünndarmbiopsie ist ungefährlich und dauert nicht länger als 10 - 15 Minuten. Dabei wird eine Kamerasonde über Mund, Speiseröhre und Magen in den Dünndarm geschoben. Mehrere Gewebeproben werden entnommen und anschließend mikroskopisch untersucht.

Der Antikörpertest kann eine Dünndarmbiopsie nicht ersetzen. Vor allem bei Kindern ist die sichere Diagnose durch die Dünndarmbiopsie wichtig, da sie bei positiver Diagnose ihr Leben lang glutenfrei essen müssen. Ein Stuhltest ermöglicht keine zuverlässige und sichere Diagnose.

Antikörperbestimmungen

Die Bedeutung der Antikörperbestimmung für die Diagnose der Zöliakie/Sprue ist heute sehr hoch. Sie wird vor allem für die Erstdiagnose bei Verdacht auf Zöliakie/Sprue eingesetzt oder als Screening-Test, um in Familien von Zöliakie/Sprue-Patienten nach möglichen weiteren Betroffenen zu suchen.

Ein negativer Antikörper-Test schließt das Vorliegen einer Zölaikie/Sprue mit relativ großer Sicherheit aus. Wichtig ist dabei, dass durch die Bestimmung von Immunglobulin A (IgA) ein IgA-Mangel ausgeschlossen wird. Bei einem IgA-Mangel können die IgA-Antikörpertests nicht verwendet werden, da sie in der Regel selbst bei einem Vollbild einer Zöliakie/Sprue ein negatives Ergebnis bringen.

Bei Verdacht auf eine Zöliakie/Sprue muss die Diagnose durch eine endoskopische Biopsie aus dem unterem Zwölffingerdarm gesichert werden.

Folgende Kombinationen von Antikörpertest und Biopsie sind denkbar:

  • Transglutaminase/Gliadin- AK positiv, Biopsie mit Zottenschwund: Diagnose Zöliakie/Sprue sicher
  • Transglutaminase/Gliadin-AK negativ, Biopsie mit Zottenschwund: IgA-Mangel möglich oder andere Ursache des Zottenschwunds
  • Transglutaminase/Gliadin-AK positiv, Biopsie normal: Latente Zöliakie/Sprue möglich oder Glutenüberempfindlichkeit
  • Transglutaminase/Gliadin-AK negativ, Biospie normal: Zöliakie ausgeschlossen

Genetische Veranlagung

Zöliakie/Sprue und Dermatitis herpetiformis Duhring zählen zu den Autoimmunerkrankungen. 
90 % der Patienten haben das Gen HLA-DQ 2, das die Oberflächeneigenschaft bestimmter Zellen bestimmt. Die restlichen Patienten haben das Gen HLA-DQ8. Das HLA gen sitzt auf Chromosom 6.
Insgesamt sind 15 - 30 % der Normalbevölkerung HLA-DQ2 positiv. Welche Faktoren zur Entsteheung einer Zöliakie/Sprue führen, wird noch erforscht.
Familienangehörige ersten Grades eines Zöliakie/Sprue-Patienten haben ein 10-fach höheres Risiko als die Normalbevölkerung, an einer Zöliakie/Sprue zu erkranken.
Nach der Diagnose eines Zöliakie/Sprue-Patienten empfiehlt sich eine Blutuntersuchung auf Antikörper bei den Familienangehörigen ersten Grades, um möglicherweise Betroffene mit einer "stillen" Zöliakie/Sprue herauszufinden.

Typ 1 Diabetes und Zöliakie

Diabetes Mellitus ist eine lebenslange Stoffwechselstörung, bei der der Körper entweder zuwenig oder kein Insulin mehr bildet (dann spricht man von Typ-1-Diabetes, früher als "jugendlicher Diabetes" bezeichnet) oder das Insulin zuwenig wirkt (Typ-2-Diabetes, früher: Altersdiabetes).

In Deutschland sind heute mindestens 5% der Bevölkerung von Diabetes betroffen, allerdings nur 10% von diesen haben einen Typ-1-Diabetes. Während Typ-2-Diabetiker meist mit Diät allein oder zusätzlich Tabletten und/oder Insulin behandelt werden, besteht beim Typ-1-Diabetes die hauptsächliche Therapie in der Zufuhr des fehlenden Insulins (üblich: "intensivierte Therapie", "Basis-Bolus-Therapie", "Pumpen-Therapie").

Von Zöliakie sind in der Normalbevölkerung nur ca. 0,5% betroffen, bei Typ-1-Diabetikern ist diese Zahl bedeutend höher: ca. 5-7% aller Typ-1-Diabetiker haben auch Zöliakie. Dabei wird der Diabetes häufig vor der Zöliakie entdeckt und ist mit den typischen Symptomen schnell und einfach diagnostizierbar; die Zöliakie verursacht dagegen oft eher milde Symptome, die nicht oder erst spät als Zöliakie erkannt werden. In manchen Kinderkliniken werden frisch manifestierte Diabetiker inzwischen standardmäßig auf Zöliakie-Antikörper untersucht und man entdeckt dabei auch Patienten, die (noch) keine typischen Zöliakie-Symptome haben, bei denen die Zöliakie aber durch eine Biopsie schon nachweisbar ist. Es gibt aber auch Menschen, die zuerst Zöliakie bekommen und später Diabetes.

Bei Typ-2-Diabetikern kommt die Zöliakie nicht häufiger vor als in der Normalbevölkerung - durch die steigenden Zahlen beim Typ-2-Diabetes könnte die Gruppe der Patienten mit Typ-2-Diabetes und Zöliakie jedoch auch anwachsen und wegen der dann nötigen Diät mehr Aufmerksamkeit verlangen.

Behandlung

Nur durch eine lebenslange strenge glutenfreie Ernährung gewinnt die entzündete und abgeflachte Dünndarmschleimhaut ihre normale Gestalt und Funktion zurück und behält sie auch, schon bei kleinsten Glutenmengen setzt die Schädigung erneut ein!

Solange die glutenfreie Ernährung strikt eingehalten wird, lebt der Zöliakie/Sprue-Betroffene in der Regel beschwerdenfrei. Es gibt keine andere Möglichkeit zur Behandlung der Zöliakie/Sprue.

D.h. der Betroffene muß seine Ernährung und seine Lebensweise grundlegend umstellen!

Meist tritt bereits wenige Tage nach der Ernährungsumstellung eine Verbesserung der Symptome ein. Das Allgemeinbefinden bessert sich und die Durchfälle lassen nach.

Die Zeit bis zur völligen Beschwerdefreiheit kann jedoch sehr unterschiedlich sein, abhängig u.a. vom Schädigungsgrad des Darms, Alter des Patienten und anfänglichen (versteckten) Diätfehlern.

ACHTUNG: Subjektive Beschwerdefreiheit bei Verstoß gegen die Diät bedeutet keineswegs, daß die glutenfreie Ernährung aufgegeben werden darf. Oft treten die merkbaren Beschwerden unter glutenhaltiger Kost sehr spät, manchmal erst nach Jahren, wieder auf.

Spätfolgen nach Absetzen der Diät können zu schweren Erkrankungen führen, die dann einer Heilung wesentlich schlechter zugänglich sind.

Glutenfrei leben

Die einzige Behandlungsmöglichkeit der Zöliakie/Sprue ist die lebenslange glutenfreie Ernährung!

Gluten, auch Klebereiweiß genannt, ist in den folgenden Getreidesorten enthalten:

  • Weizen
  • Dinkel
  • Roggen
  • Hafer
  • Gerste
  • Grünkern u.a.

Diese Getreide sowie alle Lebensmittel, die diese Getreide auch nur in Spuren enthalten, sind für Zöliakie-/Spruebetroffene nicht geeignet.

Welche Lebensmittel sind verboten?

Bei der glutenfreien Ernährung sind die folgenden Produkte grundsätzlich zu meiden:

  • Weizen,Roggen
  • Gerste, Hafer,
  • Grünkern, Dinkel
  • verwandte Getreidearten und Urkornarten(wie Kamut, Einkorn)

und alle daraus hergestellten Lebensmittel wie:

  • Mehl, Grieß
  • Graupen, Stärke
  • Flocken (Müsli)
  • Paniermehl
  • Teigwaren

Gluten ist in den folgenden Produkten enthalten:

  • Brot, Brötchen
  • Baguette, Gnocchi
  • paniertes Fleisch, Fisch
  • Pizza, Nudeln, Knödel

Es ist auch enthalten in:

  • Kuchen, Torten
  • Blätterteigteilchen
  • Hefestückchen
  • Kekse, Müsliriegel
  • Eiswaffeln
  • Salzstangen
  • Knabbergebäck
  • Bier, Malzbier

Gut zu wissen: Bereits 1/4 Gramm Weizen schädigt den Dünndarm und kann zu Beschwerden führen.

Quellenangabe: Diese Texte sind der sehr informativen Website der Deutschen Zoeliakie-Gesellschaft entnommen, die für Betroffene umfangreiches Wissen vermittelt; sie wird hiermit zum vertiefenden Studium empfohlen !!!

 

Informationen zu Reflux (Sodbrennen & Co.)

Vom „Urmagen“ zum modernen Verdauungstrakt

Einführung

Der menschliche Organismus ist erstaunlich anpassungsfähig – zumindest, wenn ihm ausreichend Zeit bleibt, um auf Veränderungen reagieren zu können. Diese Reaktionszeit (Evolution) kann sich über viele Jahrtausende erstrecken. So unterscheidet sich beispielsweise unser Verdauungstrakt kaum von dem unserer Vorfahren. Doch genau hierin liegt das Problem:

Der moderne Mensch hat innerhalb weniger Jahrhunderte – gemessen an seiner Entwicklungsgeschichte ein Wimpernschlag – seine Lebensbedingungen, seinen Lebensraum und damit auch seine Ernährungsgewohnheiten drastisch verändert. Wir essen Lebensmittel aus dem Supermarkt, die unserer Region fremd und nicht selten mit allerlei Schadstoffen belastet sind: wir ernähren und kaum noch jahreszeitenbezogen; es werden den Lebensmitteln Zusatzstoffe beigefügt, um sie haltbarer, resistenter oder vermarktbarer zu machen, ja es werden Nahrungsmittel geradezu neu erfunden. Mit diesen rasanten Veränderungen und den damit verbundenen Belastungen kann der Verdauungsapparat kaum noch mithalten. Er wird überfordert, macht schlapp – kurzum, es stößt ihm sauer auf.

Speiseröhre

Die Speiseröhre (Ösophagus) ist eine aus inneren Ring- und äußeren Längsmuskeln bestehende Passage, die den Mund- und Rachenraum mit dem Magen verbindet. Dieses etwa 20 bis 30 cm lange schlauchförmige Organ befördert die aufgenommene Nahrung oder Flüssigkeit durch wellenförmige Muskelkontraktionen der Speiseröhrenwände in den Magen. Damit die Nahrung besser „rutscht“, produzieren in der Speiseröhre verteilte Schleimdrüsen zusätzliches Sekret. Ein Ring- oder Schließmuskel am unteren Ende der Speiseröhre, unmittelbar vor dem Mageneingang verhindert, dass Mageninhalt oder Säure in die Speiseröhre zurückfließt. Das hat seinen guten Grund:

Die Speiseröhre ist zwar – ähnlich wie die Mundhöhle – mit Schleimhaut ausgekleidet, aber nicht gegen aggressive Magensäure geschützt, die für den Verdauungsprozess unerlässlich ist. Gelangt diese zum Beispie durch die Schwächung des Schließmuskels (Cardiaschwäche) oder durch einen Zwerchfellbruch (Hiatushernie) in die Speiseröhre, spüren wir einen brennenden, drückenden Schmerz hinter dem Brustbein.

Sodbrennen

Ob es sich bei dem unangenehmen Rückfluss von saurem Magensaft – etwa nach einer üppigen Mahlzeit – nur um eine vorübergehende Beschwerde handelt, oder bereits eine krankhafte Entwicklung vorliegt, können Sie an der Häufigkeit und den Umständen, unter denen die Beschwerden auftreten, abschätzen. Tritt das saure Aufstoßen nämlich nicht nur gelegentlich (etwa zweimal in der Woche), sondern regelmäßig auf, ist von einem krankhaft gesteigerten Rückfluss (Re-flux) von saurem Magensaft auszugehen. In den meisten Fällen spürt der Betroffene einen vom Magen ausgehenden Schmerz, der über die Speiseröhre bis in den Rachen ausstrahlt. Auch ist bekannt, dass sich die Beschwerden in Rückenlage, bei körperlicher Anstrengung oder bei bestimmten Körperhaltungen wie etwa beim Vornüberbeugen verstärken können. Hier sollte umgehend der Arzt aufgesucht werden, der die entsprechenden Maßnahmen mit Ihnen bespricht.

Es gilt: je früher desto besser.

In den nachfolgenden Abschnitten können Sie sich einen ersten Eindruck verschaffen, was es mit dieser weit verbreiteten Krankheit auf sich hat und welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie in Frage kommen.

Nicht jeder Vergleich hinkt. Denken Sie nur daran, dass man aufgrund einer guten Beschreibung schon so manchem Übeltäter auf die Spur gekommen ist. Diese ebenso einfache wie wirkungsvolle Methode greift auch hier: Je präziser Sie Ihrem Arzt gegenüber Ihre Beschwerden beschreiben, desto schneller kann er dem „Übel“ auf die Spur kommen, um dann die nötigen Maßnahmen einzuleiten, die Ihnen wieder zu einer besseren Lebensqualität verhelfen. Zunächst sollten Sie daher herausfinden, welchem Typ (hier: Gelegenheits-Brenner“, „Gewohnheits-Brenner“ oder „Dauer-Brenner“) Sie zuzuordnen sind. So erhalten Sie einen ersten Anhaltspunkt, ob die Beschwerden bereits auf eine Erkrankung hinweisen oder als normal und damit eher unbedenklich eingestuft werden können.

Unser nachfolgender „Ampeltest“ hilft Ihnen bei einer ersten Zuordnung:

Sodbrennen - Typ "Gelegenheits-Brenner":
Unbedenklich ist "saures" Aufstoßen (Reflux), wenn es nur selten auftritt (Richtwert: bis zu dreimal in der Woche) - und zwar meist dann, wenn man gesündigt hat: z.B.: zu fettreiches Essen, zuviel Kaffee, Alkohol und Nikotin, zuviel Süßigkeiten (vor allem Schokolode). All dies beeinträchtigt zusätzlich den wichtigen Schließmuskel, der die funktionelle Barriere zwischen Magen und Speiseröhre darstellt. Legt man sich nach dem vermeintlichen Genuss dann noch flach ins Bett, sind die Folgen vorprogrammiert: Ätzende Magensäure gelangt in die Speiseröhre – die Folge davon: Sodbrennen!

Reflux-Erkrankung Typ „Gewohnheits-Brenner“
Tritt der Rückfluss sowie Schmerzen hinter dem Brustbein (meistens morgens oder nach dem Liegen) häufiger als dreimal in der Woche auf, sollte unbedingt der Arzt konsultiert werden, um einen eindeutigen Befund – in der Regel in Form einer endoskopischen Untersuchung – zu erhalten. Dies ist notwendig, da die Krankheit ihre Tücken hat. Neben typischen Symptomen wie Sodbrennen, saures Aufstoßen, Schluckbeschwerden und/oder Schmerzen in der Magengrube gibt es auch einige Symptome, die eher untypisch sind und die Diagnose einer Refluxerkrankung schwierig machen. Hierzu gehören zum Beispie Bauchschmerzen, Husten, Atemschwierigkeiten bis hin zu Schmerzen in Ohren, der Nase und im Hals. Im Bauchraum gehört auch Meteorismus und Durchfallsneigung zu den potentiellen Folgen des Reflux. Gehen Sie also lieber auf Nummer Sicher – gehen Sie zum Arzt!

Reflux-Ösophagitits Typ „Dauerbrenner“
Eine Reflux-Ösophagitis kennzeichnen vor allem häufig bzw. chronisch auftretende Beschwerden in der Magengrube sowie im Bereich der Speiseröhre – unabhängig davon, was und wann man gegessen hat. Die Schmerzen reichen von heftigen Druckschmerzen oberhalb und links des Nabels über Völlegefühl und Oberbauchschmerzen bis hin zu plötzlichen Gewichtsverlust. Die Speiseröhrenschleimhaut zeigt in der Regel unterschiedlich stark ausgeprägte Entzündungsstadien, welche den Schweregrad der Erkrankung festlegt. Hinsichtlich des Schweregrades der Ösophagitis dominieren die leichten Formen während die Fälle mit Komplikationen wie Strikturen (Einengung der Speiseröhre) und der Barrett-Ösophagus (Ersatz der Speiseröhrenschleimhaut durch Magenschleimhaut) selten sind. Nachdem die Schleimhaut im Rahmen einer Endoskopie beurteilt wurde, sind jetzt in den meisten Fällen Protonenpumpenhemmer die Therapie erster Wahl.

Mögliche Ursachen einer Speiseröhrenentzündung

Erhöhte Magensäureproduktion
Meist angeregt durch sehr fetthaltige oder in Fett gebratene Speisen, aber auch durch Süßigkeiten und Alkoholgenuss – bei empfindlichen Menschen können auch berufliche Anspannung, Hektik oder Stress eine Rolle spielen, da diese sich auf das vegetative Nervensystem auswirken.

Geschwächter bzw. erschlaffter Schließmuskel
Verschiedene Medikamente, Nikotin, alkoholhaltige Getränke sowie einige Inhaltsstoffe im Kaffee, Tee und Cola können die Funktionstüchtigkeit des Speiseröhrenschließmuskels einschränken: er verschließt den Übergang der Speiseröhre in den Magen nicht mehr richtig.

Überlasteter Schließmuskel
Kommt durch einen erhöhten Druck im Bauchraum zustande, wofür Übergewicht oder zu enge Kleidung im Bauchbereich als Ursachen in Frage kommen - der Speiseröhrenmuskel ist überlastet.

Zwerchfellbruch (Hiatushernie)
Bei einem Zwerchfellbruch tritt ein Teil des Magens beim Atmen von der Bauchhöhle durch einen zu großen Zwerchfell-Zwischenraum in den Brustkorb über. Der Verschlussmechanismus des Schließmuskels versagt bei einem Zwerchfellbruch. Damit steigt das Risiko für das Auftreten von Symptomen und Komplikationen eines Säurerefluxes.

Mögliche Folgen einer Speiseröhrenentzündung

Schädigung der Schleimhaut
Da die Speiseröhrenschleimhaut im Gegensatz zur Magenschleimhaut über keine ausreichende Schutzschicht gegen die aggressive Magensäure verfügt, kann es zu ausgedehnten Entzündungen und in der Folge zu daraus resultierenden Komplikationen kommen.

Erosive Speiseröhrenentzündung/Speiseröhrenverengung
Bleibt einer Refluxerkrankung unbehandelt, kann dies zu ernsthaften Komplikationen führen. Zu den häufigsten Folgen zählt der Schaden an der Speiseröhrenschleimhaut, der durch den wiederholten Kontakt der empfindlichen Oberfläche mit der aggressiven Magensäure entsteht. In der Folge dieser Verletzungen bzw. Entzündungen kann sich die Speiseröhre zudem verengen (Struktur oder Stenose).

Dass hierbei durchaus von einer "Volkskrankheit" gesprochen werden kann, soll Ihnen folgende Übersicht verdeutlichen. Sie macht zugleich transparent, wie häufig welche Beschwerdeformen auftreten, und wie hoch der Anteil derer ist, die an fortschreitenden Komplikationen erkranken. Danach haben 10% der Bevölkerung gelegentlich Beschwerden einer Reflukrankheit. 10% der Refluxkranken wiederum leiden unter Entzündungen der Speiseröhre (Refluxösophagitis) und wiederum sind es 10% von diesen Patienten bei denen sich ein Barettösophagus entwickelt. Abermals 10% der Patienten mit Barett-Syndrom entwickeln ein Adenokarzinom (Schleimhautkrebs).

Machen Sie den ersten Schritt - den Arztbesuch

Weil Sie es sich wert sind, sollten Sie ohnehin in regelmäßigen Abständen einen Gesundheits-Check vornehmen lassen. Nehmen Sie beim Arztbesuch kein Blatt vor den Mund. Alles was Sie sagen, kann für Sie verwendet werden. Wichtig ist, dass Sie die Anweisungen des Arztes - etwa zu den Einnahmevorgaben von Medikamenten - unbedingt befolgen. Sollten Sie bereits Medikamente gegen andere Beschwerden einnehmen, müssen Sie Ihren Arzt darüber informieren, da manche Substanzen den Schließmuskel der Speisröhre ungünstig beeinflussen. Auf diese Weise vermeiden Sie Komplikationen und Verzögerungen im Heilungsprozess.

Keine Angst vor "schlechten" Nachrichten

Zunächst sollten Sie wissen, dass die Untersuchung der Speisröhre heutzutage nicht nur schonend und nahezu schmerzfrei ist, sondern auch mit wenig Zeitaufwand vorgenommen werden kann: in nur wenigen Minuten ist die Untersuchung bereits überstanden. Dabei kann man den Rachen durch Aufsprühen eines lokalen Betäubungsmittels vorbehandeln. Ein beruhigendes Medikament kann auf Wunsch ebenfalls verabreicht werden. Mittels der Gastroskopie kann der Arzt dann, den Zustand der Schleimhaut, Ihrer Speisröhre, Ihres Magens und des Zwölffingerdarms genau beurteilen. Veränderungen können so frühzeitig erkannt werden. Selbst wenn danach eine Behandlung unabdingbar sein sollte, stehen gut verträgliche und hochwirksame Medikamente für eine die Beschwerden unterdrückende bzw. die Abheilung von Verletzungen (Läsionen) fördernde Behandlung zur Verfügung.

Für eine genaue Diagnose sollten Sie - wie bereits erwähnt - Ihren Arzt nicht im Dunkeln tappen lassen. Die ausführliche Schilderung wann, bei welcher Gelegenheit, wie oft und in welcher Intensität die Beschwerden auftreten, verhelfen bereits zu einer guten Ausgangslage für weitere Maßnahmen wie Röntgenuntersuchung, Endoskopie (Magenspiegelung), Manometrie (Druckmessung) des unteren Speiseröhrenschließmuskels, pH-Metrie (Messung des Säuregehaltes des Speiseröhre) sowie Biopsieanalyse (mikroskopische Untersuchung von Gewebeproben). So ist sichergestellt, dass andere Faktoren wie etwa verengte Herzkranzgefäße ausgeschlossen werden können. Liegen also regelmäßige Beschwerden vor, sollte man nicht dem Zufall überlassen und die Beschwerden abklären lassen. Eine probate Methode stellt nach wie vor die endoskopische Untersuchung dar.

Endoskopie: Gewissheit durch den Blick ins Innere

Da mit einer endoskopischen Untersuchung nicht nur der Magen, sondern auch die Speiseröhre gründlich auf ihren Zustand überprüft werden kann, wird ihr Arzt in der Regel mit dieser Methode beginnen. Endoskopien sind längst Routine und bedeuten für den Patienten aufgrund moderner Technologien keine nennenswerte Beeinträchtigung. Das leicht verformbare, über den Mund einzuführende und nur mehrere Millimeter dünne Endoskop arbeitet wie eine Kamera und ermöglicht es, die Schleimhaut auf einem angeschlossenen Monitor genau zu betrachten. Von Vorteil ist hierbei die Möglichkeit der Entnahme von Gewebeproben (Biopsien), die später im Labor gründlich untersucht werden können. Dies geschieht über einen Arbeitskanal, durch den miniaturisierte Geräte zur Gewebeentnahme oder zur Gewerbeentnahme oder zur Abtragung von Polypen eingeführt werden. Da bereits kleinste Veränderungen der Schleimhaut erkannt werden können, ist eine endoskopische Untersuchung zur Früherkennung unbedingt zu empfehlen.

Was Medikamente heute leisten können

Da sie nicht nur schnellstmöglich beschwerdefrei sein möchten, sondern auch auf Dauer, sollten Sie Geduld mit sich haben: in der Ruhe liegt die (Heil-) Kraft. Nur eine Langzeitbehandlung, bei der es wesentlich auf Ihre „Mitarbeit“ ankommt, bringt Sie an Ziel. Dennoch müssen Sie sich von Ihren momentanen Beschwerden nicht lange quälen lassen. Hierfür stehen heute hochwirksame und gut verträgliche Medikamente zur Verfügung (fragen Sie Ihren Arzt, um welche Medikamente es sich hierbei handelt).

Vom altbewährten Hausmittel zum modernen Medikament

Dem Schluck warmer Milch oder dem alten Weißbrot nach dem Essen kann zwar eine gewisse Neutralisierung der Säure und damit eine vorübergehende Linderung des Sodbrennens nicht abgesprochen werden, aber bei einer handfesten Refluxkrankheit sind diese „Hausmittelchen“ gänzlich ungeeignet. Dagegen stellt die medikamentöse Therapie eine solide Basis für eine effiziente Behandlung dar, da entsprechende Medikamente leicht verfügbar sind, schnell Beschwerdefreiheit zeigen und zudem einen positiven Einfluss während der Langzeittherapie gewährleisten. Da der Hauptverursacher der Schäden bei der Refluxerkrankung die Magensäure ist, beruhen diese Medikamente auf dem Prinzip der Reduzierung bzw. der Neutralisierung der Magensäure.

Zu diesen Medikamenten zählen die so genannten Antazida (säurebindend) sowie H2-Blocker (säurehemmend), von denen einige rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Oft sind diese Medikamente aber nur über kurze Zeit wirksam, was für eine Abheilung der entzündlichen Schleimhautveränderungen nicht ausreicht. Auch ist zu bedenken, dass die Wirksamkeit über die Zeit beträchtlich nachlässt, so dass höhere Dosierungen notwendig werden.

Zur jüngsten Generation säureblockierender Medikamente, bei denen diese unerwünschten Begleiterscheinungen nicht auftreten, zählen die so genannten Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI). Sie besitzen die Fähigkeit, die Protonenpumpe, also direkt den Baustein zu blockieren, der für die Produktion der Magensäure verantwortlich ist. Damit bilden sie die Voraussetzung für den Heilungsprozess. Der Wirkungseintritt erfolgt zumeist sehr schnell, so dass es bereits am ersten Tag nach der Einnahme zu einem spürbaren Rückgang der Symptome kommen kann. Oft sind Patienten schon nach zwei Therapietagen beschwerdefrei. Außerdem haben diese Präparate den Vorteil, dass sie nur einmal täglich gegeben werden müssen und meist zur kompletten Abheilung der entzündlichen Veränderungen führen. Für eine nachhaltige Behandlung sind Protonenpumpen-Inhibitoren derzeit konkurrenzlos.

Vorteile der PPI im Überblick:

  • Besonders rascher Wirkungseintritt
  • Verfügbarkeit für die Einnahme im Moment des Bedarfsfalls (fragen Sie Ihren Arzt welche Medikamente hierfür konkret zugelassen sind).
  • Nachhaltigkeit bei langfristiger Therapie.
  • Hohe Heilungsraten bei Patienten mit säurebedingten Erkrankungen des oberen Verdauungstraktes
  • Gute Kombinierbarkeit mit anderen Medikamenten
  • Geringes Nebenwirkungsspektrum
  • Wirken rund im die Uhr
  • Auch bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren wurden deutliche Fortschritte zu früheren Behandlungsweisen erzielt. Diese Geschwüre sind in den meisten Fällen auf eine Helicobacter-pylori-Infektion zurückzuführen. Helicobacter pylori ist ein weit verbreitetes Bakterium, das sich in der Magen- und Darmschleimhaut festsetzt und diese schädigen kann. Eine entzündete Magenschleimhaut ist die Folge des „kleinen Magenteufels“. Entzündliche Veränderungen können bei Ihnen Schmerzen, Übelkeit, Brechreiz und Appetitlosigkeit auslösen. Heute bewirkt man eine vollständige Beseitigung (Eradikation) des Bakteriums mit einer Dreifachbehandlung, auch Tripeltherapie genannt. Hier wird Ihr Arzt in der Regel drei verschiedene Arzneimittel einsetzen: einen Protonenpumpenhemmer und zwei Antibiotika, die das Bakterium abtöten. Die Therapie lindert schnell die Schmerzen und beseitigt in den meisten Fällen innerhalb von sieben Tagen den Quälgeist.
  • Lindert nicht nur die Symptome einer Refluxerkrankung, sondern heilen auch die Entzündungen in der Speiseröhre innerhalb kurzer Zeit ab.
  • Skalpell oder Medikament?
  • Die Vorstellung, dass mit einem chirurgischen Eingriff das Problem gleichsam restlos beseitigt werden kann, hält der Realität nicht stand. Vielmehr bewirkt die Operation zumeist keine dauerhafte Beschwerdefreiheit, und auch nach dem Eingriff bleiben die meisten Betroffenen auf eine Therapie mit einem PPI angewiesen. Angebracht ist die chirurgische Therapie eher bei einem ausgedehnten Zwerchfellbruch und/oder bei gleichzeitig bestehenden Erkrankungen im Atemwegsbereich (z.B. Asthma). Für und Wider sollten mit dem Arzt immer eingehend erörtert werden.
  • Der Weg zur Besserung: Geizen Sie mit Reizen (Essen, Trinken, Lebensführung)
  • Zwar werden Sie auf die Einnahme von Medikamenten nicht verzichten können, aber mit ein paar Veränderungen Ihrer Lebensführung können Sie einigen Auslösern von Beschwerden den Riegel vorschieben.

Was nämlich Sie reizt, könnte auch Ihre Speiseröhre reizen. Mehr noch: sie nimmt es Ihnen übel und es kann zu der beschriebenen Funktionsbeeinträchtigung der Schließmuskel kommen. Schmerzen, Schluckbeschwerden, Entzündungen (Ösophagitis) bis hin zu schwerwiegenden Schädigungen können die Folge sein. Aber nicht nur wie und was Sie essen gewinnt bei diesen vorbeugenden Maßnahmen an Bedeutung, sondern auch wie Sie sich kleiden, wie Sie mit Stress umgehen oder wie Sie sich betten. Nachfolgend daher einige Tipps, die Ihnen das Leben als Betroffene/-er erleichtern werden:

Essen 
Bewahren Sie Disziplin: allzu üppige und fettreiche Mahlzeiten sind nicht nur auf der Waage bemerkbar. Mit kleineren, über den Tag verteilten Mahlzeiten hat Ihre Speiseröhre hingegen keinerlei Probleme. Pfefferminze, Schokolade, Fruchtsäfte und Tomatenprodukte sollten Sie vernachlässigen, da diese das saure Aufstoßen fördern. Ebenso sollten Sie den Verzehr von Kohlenhydraten (z.B. Kuchen, Weißbrot) einschränken, da diese den Speiseröhrenschließmuskel schwächen. Bevorzugen Sie stattdessen eiweißreiche Nahrungsmittel (z.B. mageres Fleisch, fettarme Milchprodukte). Gönnen Sie auch Ihrem Magen eine unbelastete Nachtruhe: Drei Stunden vor dem Schlafengehen sollten Sie nach Möglichkeit keine umfangreicheren Speisen mehr zu sich nehmen.

Trinken
Bei Alkohol, kohlensäurehaltigen Getränken, Kaffee und Fruchtsäften sollten Sie Vorsicht walten lassen. Alkoholmissbrauch ist für Sie natürlich tabu.

Rauchen
Nehmen Sie die drastischen Warnhinweise auf den Packungen ernst. Die aggressiven Inhaltsstoffe im Rauch verhindern zudem das Abheilen der Schleimhäute und schwächen die Funktion des unteren Schließmuskels Ihrer Speiseröhre.

Bettruhe
Nutzen Sie die Gesetze der Schwerkraft und erhöhen z.B. einfach das Kopfende um etwa 30 cm. Auf diese simple Weise gelangt die Säure während des Schlafes nicht in die Speiseröhre. Sie schlafen besser und der Heilungsprozess wird gefördert.

Stressvermeidung
Bleiben Sie cool und gönnen sich regelmäßige Auszeiten zum Entspannen: Spaziergänge etwa begünstigen nicht nur die Gewichtsreduktion, sondern verhelfen auch zu einem ganzheitlichen Gleichgewicht – Leib und Seele werden es Ihnen danken.

Arztbesuch – gemeinsam ist man stärker
Vorbeugen ist gut, aber nicht immer ausreichend. Wenn Sie nach befolgen unserer Tipps das saure Aufstoßen doch nicht losgeworden sind und die Beschwerden nicht von selbst vergangen sind, suchen Sie unbedingt einen Arzt Ihres Vertrauens auf. Erstens erhalten Sie hier einen genauen Befund, und zweitens kann jetzt eine effektive Therapie angesetzt werden – Ungewissheit belastet Sie nur unnötig. Generell können Sie davon ausgehen, dass für diese Krankheit heute hoch effiziente und dabei gut verträgliche Medikamente bereitgestellt werden.

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