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GEO-Titelgeschichte: Das Immunsystem und der Darm
Viel Zucker kann Bauchspeicheldrüsenkrebs verursachen
Darmkrebsprävention rechnet sich !
Verbesserung der Versorgung von Menschen mit familiärem und erblichen Darmkrebsrisiko
Kontrollierte Qualität und Hygiene
GEO-Titelgeschichte: Das Immunsystem und der Darm
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa als "Barrierestörung"
"Die unsichtbare Leibwache" titelt GEO in seiner aktuellen Ausgabe " - und erklärt mit beeindruckenden Grafiken auf rund 30 Seiten akribisch, aber leicht verständlich Mechanismen und Funktionen des menschlichen Immunsystems. Zentrales Thema des populären Wissenschaftsmagazins ist dabei das Zivilisationsphänomen des zunehmenden Zusammenbruchs der körpereigenen Abwehr, wenn sich Gelenke, die Haut oder der Darm scheinbar grundlos entzünden.
GEO porträtiert denn auch ausführlich einen Patienten, der an Colitis ulcerosa erkrankt ist, und publiziert die innovativen Erklärungsansätze der international renommierten Forscher des deutschen "Kompetenznetz Darmerkrankungen". Sie diagnostizieren die zunehmenden Entzündungen menschlicher Organe nicht länger als Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem unerklärlich gegen den eigenen Körper richtet. Vielmehr versucht der komplexe Abwehrmechanismus verzweifelt, den Übertritt schädlicher Bakterien vom Darm in den Blutkreislauf zu verhindern - so dass die chronischen Darmentzündungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sich für die Wissenschaftler des "Kompetenznetz" als durch erbliche Defekte oder Umwelteinflüsse ausgelöste "Barrierestörung" der Schleimhäute darstellen: "Kommen zur genetischen Disposition und Umweltgiften weitere Faktoren wie falsche Ernährung, Bewegungsmangel oder Stress hinzu kippt der Darm irgendwann um wie ein Klärwerk und mobilisiert sämtliche Kräfte der Immunabwehr", erklärt "Kompetenznetz"-Vorstand Stefan Schreiber in GEO. Denn das Immunsystem randaliert nicht grundlos.
Viel Zucker kann Bauchspeicheldrüsenkrebs verursachen
Zuckerreiche Ernährungsweise steigert offenbar das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Häufiger Genuss von gesüßten Speisen oder Getränken kann das Risiko für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöhen. Das ist das Fazit einer schwedischen Studie im American Journal of Clinical Nutrition (2006, 84(5), 1171-1176). Verantwortlich für diesen Effekt ist vermutlich eine dauerhaft hohe Produktion von Insulin, die den Blutzuckerspiegel trotz hoher Zuckeraufnahme konstant hält.
Bösartige Tumoren der Bauchspeicheldrüse gelten als besonders schwer behandelbar, da sie in den meisten Fällen erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt werden. Über die Auslöser der Erkrankung ist bislang wenig bekannt. Die Forscher um Susanna C. Larsson erfassten in ihrer Beobachtungsstudie 77.797 Frauen und Männer im Alter zwischen 45 und 83 Jahren. Diese wurden zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt und anschließend rund sieben Jahre lang hinsichtlich ihres Gesundheitszustands beobachtet. 131 von ihnen erkrankten an Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Aus den Angaben der Studienteilnehmer ermittelten die Forscher als Risikofaktor für die Krebserkrankung eine Ernährungsweise mit hohem Zuckergehalt. Dazu zählten vor allem gesüßte Getränke (beispielsweise Kaffee mit Zucker), Softdrinks und süßes Kompott. Das Risiko, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken, stieg dadurch um das Anderthalb- bis Zweifache an.
Seit längerem wird vermutet, dass eine anhaltend hohe Insulinproduktion zur Konstanthaltung des Blutzuckerspiegels die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs fördert. Die Ergebnisse der schwedischen Studie unterstützen diese Annahme.
Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft, News
Darmkrebsprävention rechnet sich !
Jeder Euro, der in die Darmkrebsprävention investiert wird, ergibt eine Einsparung von mindestens 3,50 Euro, tatsächlich vermutlich eher mehr, meint Dr. Dirk Wuppermann von der Stiftung LebensBlicke unter Bezug auf ein Gutachten des renommierten Gesundheitsökonomen Prof. Günter Neubauer.
Nach den Berechnungen von Prof. Neubauer verursacht die Früherkennung durch zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren bezogen auf 10.000 Versicherte Kosten von rund 3,4 Millionen Euro. Dem stehen allein 11,3 Millionen Euro eingesparte Therapiekosten gegenüber, wenn man sehr vorsichtig unterstellt, dass durch diese Vorgehensweise die Hälfte der Darmkrebsfälle verhindert werden kann.
"Der Befund ist eindeutig: Die Darmkrebsprävention ist aus dem Blickwinkel des Kostenträgers Krankenkasse wirtschaftlich vorteilhaft", kommentiert Dr. Wuppermann in der Fachzeitschrift "BVGD-Info". Umso bedauerlicher sei es, dass die Darmkrebsvorsorge nur sehr zögerlich in Anspruch genommen werde. In den drei Jahren von 2003 bis 2005 haben nach seinen Angaben etwa 1,7 Millionen von den über 22 Millionen anspruchsberechtigten GKV- Versicherten ab 55 Jahren eine Darmspiegelung durchführen lassen.
"Deutschland hat seit fünf Jahren ein sehr fortschrittliches Darmkrebspräventionsprogramm und schneidet dennoch", so Dr. Wuppermann, "bezüglich Morbidität und Mortalität im Vergleich mit den meisten anderen, auch europäischen Ländern ungünstig ab. Daraus ist zu schließen, dass wir in der Darmkrebsprophylaxe mutig nach neuen Wegen suchen müssen."
Verbesserung der Versorgung von Menschen mit familiärem und erblichen Darmkrebsrisiko
Die Techniker Krankenkasse schliesst 2006 einen Vertrag mit dem Berufsverband der Internisten. Der Vertrag dient der Verbesserung der Versorgung von Versicherten mit familiärem und erblichem Risiko für die Erkrankung an einem Dickdarm-Karzinom.
Im Rahmen der Integrierten Versorgung nach § 140 a ff SGB V wurde ein Vertrag zwischen der Techniker Krankenkasse und dem Berufsverband Deutscher Internisten e.V. geschlossen, in den niedergelassene Fachärzte als Leistungserbringer eintreten können. Hierzu müssen spezielle fachliche und qualitative Voraussetzungen erfüllt sein.
Der Vertrag dient der Verbesserung der Versorgung von Versicherten mit familiärem und hereditärem Risiko für die Erkrankung an einem kolorektalen Karzinom.
Die Versicherten werden von Ihrer KK (Techniker) informiert, oder können sich dort Informationen abrufen, um ihr persönliches Risiko abzuklären, und um eine weitergehende Beratung und ggfs. Vorsorgeuntersuchungen zu erhalten. Diese Leistungen werden dann speziell von den Vertragsmitgliedern erbracht.
Seit Sommer diesen Jahres sind wir Partner in diesem Integrierten Versorgungsvertrag.
Andere Krankenkassen haben Interesse am Beitritt bekundet.
Kontrollierte Qualität und Hygiene
Technische Entwicklungen ermöglichen erhebliche Fortschritte bei Diagnosen und Therapien.
Der Nutzen kommt dem Patienten aber nur zugute, wenn sein Arzt über entsprechende Qualifikationen
verfügt. Für die Darmspiegelung sichert ein strenges Kontrollsystem die Qualität in gastroenterologischen
Praxen.
Die Darmspiegelung (Koloskopie) ermöglicht eine sichere Diagnose von Erkrankungen des Dickdarms.
Es ist die Standardmethode, die bei ungeklärten Stuhlveränderungen, bei Verdacht auf chronisch
entzündliche Darmerkrankungen, zur Abtragung von Polypen oder zur Abklärung von Darmkrebs
eingesetzt wird.
An Qualität und Sicherheit dieser Untersuchungsmethode werden im Bereich der kassenärztlichen
Versorgung hohe Ansprüche gestellt. Wer heute als niedergelassener Gastroenterologe eine Zulassung
zur Durchführung der Koloskopie in seiner Praxis erhalten will, muss nachweisen, dass er in den letzten
zwei Jahren mindestens 200 Darmspiegelungen und 50 Abtragungen von Polypen eigenhändig
durchgeführt hat.
Die Fachärzte müssen regelmäßig jedes Jahr 200 Darmspiegelungen und zehn Polypabtragungen
nachweisen. Von diesen 200 Untersuchungen fordert die Kassenärztliche Vereinigung als
Selbstkontrollorgan der Ärzteschaft stichprobenartig 20 Befunde mit Bild und Gewebeprobe an. Eine
Kommission prüft die Qualität des Untersuchungsergebnisses.
Bei dem Untersuchungsgerät muss es sich um eine Videoendoskopieeinheit handeln, die hygienisch
einwandfrei aufbereitet wird. Alle halbe Jahre muss ein Zertifikat beigebracht werden, damit gewährleistet
ist, dass die Aufbereitung in Ordnung ist und die Geräte keimfrei sind. Ein externer Hygieneprüfer kommt
unangekündigt in die Praxen, nimmt Abstriche an den Endoskopen und überprüft die vollautomatische
Aufbereitung und Desinfektion.
"Die unabhängigen und unangekündigten Hygieneüberprüfungen gelten nur für niedergelassene
Gastroenterologen, nicht aber für Krankenhäuser als Institutionen", betont Dr. Franz Josef Heil, Mitglied
im Vorstand des Berufsverbandes der niedergelassenen Gastroenterologen (bng).
Regelmäßige Informationen finden Sie auch auf unserer Internet-Seite: