Warum kann eine Darmspiegelung unangenehm sein ?

Die Darmspiegelung kann prinzipiell ohne Sedierung, d.h, ohne "Beruhigungsspritze" oder Narkose durchgeführt werden. Die dabei auftretenden Belästigungen resultieren durch mehr oder weniger starkes Blähgefühl und ein unterschiedlich starkes Druck- und Völlegefühl, bedingt durch das notwendige Einblasen von Luft. Erst diese Luftgabe ermöglicht eine optimale Sicht auf alle Schleimhautareale und kann der manchmal sehr ausgeprägten Eigenbeweglichkeit (Peristaltik) der Organwandung entgegen wirken. Die Luft geht später über natürliche Wege wieder ab. Ausserdem enthält der zu untersuchende Dickdarm mehrere Kurven, die durchfahren werden müssen. Je nach Enge (Kurvenradius, Verdrehung) bedarf es eines höheren Rangierbedarfs und ggfs. vermehrten Druck auf die Darmwandung während der Kurvenpassage. Diese Belästigung wird von den Patienten sehr unterschiedlich beurteilt und kann objektiv nicht vorausgesagt werden. Die Wahrnehmung wird beeinflusst von einer ganz individuellen Situation des vegetativen Nervensystems und auch vom Grad der inneren Anspannung, mit der die Patienten zur Untersuchung kommen.

Der einzige Vorteil der Untersuchung ohne Sedierung liegt darin, dass Sie die Praxis sofort verlassen, ein Auto selbst lenken und Ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen können.

Wozu dient die "Beruhigungsspritze" ?

Die "Beruhigungsspritze" (Sedoanalgesie) hat den Vorteil, dass der Patient entspannt ist und (meistens) keine Erinnerung an die Untersuchung hat. Sie wird dadurch als angenehm bis sehr angenehm beurteilt. Gleichzeitig ist es möglich nach Bedarf die Dosis zu variieren, oder in Kombination zusätzliche Medikamente zur Steuerung der "Schlaftiefe und Entspannung" zuzugeben.

Es ist unser Ziel eine informative und wichtige Untersuchung zur Klärung Ihrer Beschwerden so angenehm wie möglich zu gestalten. Sie haben aber immer auch die Möglichkeit die Untersuchung ohne "Spritze" durchzuführen, oder sich kurzfristig, auch während der laufenden Untersuchung, doch noch dafür zu entscheiden.

Die Sedierung hat den Nachteil, dass sie das Reaktionsvermögen für längere Zeit beeinträchtigt. Sie dürfen deshalb danach kein Fahrzeug lenken, nicht am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Tätigkeiten ausführen, bei denen Sie sich oder andere Personen gefährden könnten, und zwar bis zum nächsten Morgen. Sie sind in dieser Zeit auch nicht geschäftsfähig. Sollten Sie dennoch aus wichtigen Gründen selbst mit dem Auto angereist sein, bitten wir Sie, zu Ihrer eigenen Sicherheit, den Autoschlüssel an der Aufnahme abzugeben. Nach der Untersuchung ist es am besten, wenn Sie von einer Begleitperson abgeholt werden, um Komplikationen durch Störungen vor allem der Orientierung und des Gleichgewichts zu vermeiden (Sturzgefahr!). Falls Sie mit dem Taxi nach Hause fahren, bitten Sie den Taxifahrer, Sie bis zu Ihrer Wohnungstüre zu begleiten.

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Wie lange dauert eine Darmspiegelung ?

Eine Darmspiegelung dauert durchschnittlich zwischen 15 und 25 Minuten und beinhaltet das "Hochspiegeln" bis zum Dünndarm-Übergang und dann das sorgältige "Zurückspiegeln" mit genauer Inspektion der Schleimhautoberfläche. Diese Zeitvorgaben sind beeinflussbar durch: die Art und Ausprägung der Darmkurven, den Reinigungsgrad und damit der Übersicht, das Ausmass der Darmeigenbewegung, der Erfordernis von "Gewebeproben" bei verschiedenen Fragestellungen, dem Vorhandensein und der Zahl von Polypen, die zu entfernen sind, und letztlich dem Aufwand, abgetragene Polypen für die feingewebliche Untersuchung auch zu bergen. Deshalb sind auch Untersuchungszeiten von 45 - 60 Minuten möglich.

Sofern Sie sich eine "Beruhigungsspritze" haben geben lassen, kommt dann dazu noch eine durchschnittliche Ruhezeit danach von ca. 30 min hinzu.

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Darmspiegelung in der Praxis: welche Anforderungen und Dokumentationspflichten ?

Die Darmspiegelung (Coloskopie), ist zur Zeit die am besten Qualitäts-gesicherte Untersuchung in der gesamten ambulanten Medizin !!!  

Die Vorschriften und Anforderungen an den Untersucher und die Praxis sind sehr umfangreich  ----- sie ist für den Aufwand dafür leider auch weiterhin schlecht bezahlt !!, das Preis-Leistungsverhältnis wird immer schlechter, weil die Erlössumme weiter sinkt, aber die Anforderungen weiter ansteigen.

Die Dokumentation hat mehrere Anteile und Schritte, da sie unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden muss.

Der untersuchende Arzt benötigt eine langjährige Erfahrung, er muss jährlich eine Mindest-Anzahl an Darmspiegelungen durchführen (200) und in der Praxis alle therapeutischen Eingriffs-Möglichkeiten vorhalten, die üblich sind, und die auch notwendig sein könnten, um einen medizinischen Notfall zu beherrschen.

In unserer Praxis werden pro Jahr 1200 - 1300 Coloskopien durchgeführt.

Die medizinischen Fachangestellten müssen eine spezielle Ausbildung und Hygieneschulung, eine lange Erfahrung und eine hohe Untersuchungsfrequenz haben, um gut trainiert zu sein, damit sie dem spezialisierten Arzt bei endoskopischen Untersuchungen gut assistieren können.

Die Qualität der verwendeten technischen Ausstattung muss moderne Standards erfüllen, wir verwenden ausschliesslich die Video-Endoskopie, mit einer hohen Bildauflösung. Und diese Videodaten werden digital archiviert.

Für jedes Endoskop muss die hygienisch einwandfreie Aufbereitung durchlaufen werden, die dann mittels Geräte-Identifikation dokumentiert wird. Weiter muss dokumentiert werden, welches der aufbereiteten Endoskope bei einem bestimmten Patienten verwendet worden ist. Die hygienisch einwandfreie Aufbereitung der Coloskope wird regelmäßig halbjährlich durch ein externes Labor überprüft.

Die gleichen Anforderungen gelten für verwendetes Zubehör-Material. Inzwischen verwenden wir ausschliesslich Einmal-Materialien ("single use").

Von der Untersuchung selbst müssen charakteristische Bilder aufgezeichnet werden, die einwandfrei bestimmte anatomische Merkmale erkennen lassen müssen (oberes Ende des Dickdarms mit Blinddarm-Abgang, Klappen-Lippe zum Dünndarm, ggfs. erkannte Polypen und deren Abtragungsstelle nach Schlingenentfernung).

Diese Bilddokumentation wird in Stichproben regelmäßig von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV Baden-Württemberg, Regionaldirektion Südwürttemberg), Abteilung Qualitätssicherung, abgerufen und überprüft.

Dokumentations-Mängel führen ggfs. zu Sanktionen. Das Erreichen des oberen Dickdarm-Endes ist die Voraussetzung dafür, die Darmspiegelung als solche überhaupt abrechnen zu dürfen !!

Für jede Vorsorge-Darmspiegelung muss zusätzlich ein umfangreicher Datenbogen mit allen Untersuchungs-Details, also auch den feingeweblichen Untersuchungen von Gewebeproben, bzw. Polypen, elektronisch dokumentiert werden. Dieser wird bundesweit für statistische Erhebungen ausgewertet.

Von jeder Darmspiegelung (Coloskopie) muss ein detaillierter schriftlicher Befund erstellt werden, so dass Anlass, Ablauf, mögliche Schwierigkeiten, Ergebnisse und daraus resultierende Handlungs-Empfehlungen dokumentiert sind. Eine Übermittlung dieser Befunde in Form eines Arztbrifes an den Hausarzt ist verpflichtend.

In unserer Praxis wird jede Darmspiegelung zusätzlich regelhaft in der gesamten Länge des Geräterückzugs, also auch incl. notwendiger Eingriffe, auf DVD aufgezeichnet, so dass das Untersuchungs-Video bei Bedarf zur Einsicht zur Verfügung steht.

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Was hat es mit der Verwendung von Kohlendioxid auf sich ?

Viele kleine Verbesserungen, in Bezug auf Vorbereitung und Durchführung, haben die Dickdarmspiegelung für die Patienten in den letzten Jahren angenehmer gemacht. Trotzdem bleiben bislang Defizite in der „Bauchbefindlichkeit“ danach. Durch den Einsatz von Kohlendioxid-Gas (CO2) kann nun auch das Befinden nach der Spiegelung erheblich verbessert werden!


Um den Darm gut zu entfalten und dadurch die Schleimhautoberfläche optimal beurteilen zu können, wird über das Endoskop während der Untersuchung Luft eingegeben. Obwohl diese Luft zum Teil wieder abgesaugt wird, verbleibt mehr oder weniger viel davon im Darm (abhängig von Untersuchungsdauer und Gestalt des Darmes). Diese kann, bis sie den Darm auf natürlichem Wege wieder verlassen hat, öfters zu Völlegefühl bis hin zu krampfartigen Beschwerden führen. Mit Hilfe einer neuen Technologie kann der Darm anstatt mit Luft nun mit Kohlendioxid (CO2) entfaltet werden. Diese Insufflation von CO2 ist eine wissenschaftlich fundierte Methode.

Während Luft kaum, bzw. recht schlecht vom Darmgewebe aufgenommen werden kann, wird Kohlendioxid 150 mal schneller über die Darmwand aufgenommen und abgeleitet, bzw. letztendlich über die Lunge abgeatmet. Auf diese Weise ist der Darm rasch nach der Untersuchung entbläht und wieder entspannt und macht deshalb keine Beschwerden mehr.

Also wesentlich weniger Schmerzen und Unwohlsein während und nach der Prozedur !

Das Praxis-Team und ich freuen uns, Ihnen diese neue, nebenwirkungsfreie Technologie seit September 2009 anbieten zu können, die das Wohlbefinden bei und nach der Dickdarmspiegelung noch weiter verbessert. Da die Mehrkosten zum Einsatz dieses neuen Verfahrens von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen werden, müssen wir Ihnen diese allerdings in Rechnung stellen.

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