Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (03.01.2011)

Unterversorgung in Deutschland
Für die Versorgung der rund 320.000 CED-Patienten in Deutschland stehen nicht überall hinreichend qualifizierte und erfahrene Ärzte zur Verfügung. Zwar sind in den vergangenen Jahren Konzepte für eine Verbesserung der Situation entwickelt worden, doch deren Implementierung hängt auch von einer entsprechenden Abbildung im Leistungskatalog der Krankenkassen ab.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulzerosa sind relativ weit verbreitet und treten oft bereits in jungen Jahren auf. Gerade weil junge Patienten ihr Leben lang von den nicht heilbaren Beschwerden betroffen sind, sind diese Erkrankungen volkswirtschaftlich durchaus relevant. "Die teils komplexen Krankheitsverläufe erfordern eine intensive Zusammenarbeit verschiedener Fachgruppen und die gesamte Erfahrung der beteiligten Ärzte", betont der CED-Experte Dr. Bernd Bokemeyer vom Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (bng).

Zur Verbesserung der Versorgungslage haben das Kompetenznetz-CED und der Selbsthilfeverband DCCV evidenzbasierte Versorgungspfade entwickelt, die nun – eventuell mit kleineren Anpassungen – in die Praxis umgesetzt werden sollen. Das Behandlungsmodell setzt auf drei Ebenen der Zusammenarbeit: hausärztliche Primärversorgung, spezialisierte Sekundärversorgung in der gastroenterologischen Fachpraxis und hochspezialisierte Tertiärversorgung in gastroenterologischen Schwerpunktpraxen oder Schwerpunktambulanzen an Kliniken. "Für einen praktikablen Start könnten diese verschiedenen Ebenen idealerweise drei Säulen unter dem Dach einer gemeinsamen, zentralen CED-Fallkonferenz bilden, die eine vernetzte Versorgung vor Ort sicherstellt", erläutert Dr. Bokemeyer, der als niedergelassener Gastroenterologe auch Vorsitzender des Kompetenznetzes-CED ist.

Die gesprächsintensive und komplexe Behandlung dieser Patienten ist in dem aktuellen pauschalierenden Gebührensystem für Ärzte nicht vorgesehen. Deshalb gibt es für CEDSchwerpunktpraxen bzw. -ambulanzen derzeit keine ausreichende Existenzgrundlage. Erst wenn diese beispielsweise durch eine entsprechende Betreuungspauschale für CED-Patienten geschaffen ist, wird es gelingen, die Versorgung dieser Patienten nachhaltig zu verbessern.

Erste Ansätze in dieser Richtung sind durch Verträge der Gastroenterologen mit der BKK Taunus und der AOK Baden-Württemberg initiiert. "Langfristig wird auch die Volkswirtschaft von einer effizienten ambulanten Versorgung dieser chronisch kranken Patienten profitieren", betont die Sprecherin des Berufsverbandes, Prof. Dr. Birgit Kallinowski, "weil dadurch Krankenhauseinweisungen vermieden werden und viele Betroffene länger am Arbeitsleben teilhaben können."

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